Stephan Bartunek legt neue »Beweise« für die zionistisch-nationalsozialistische Verschwörung vor

Unter den selbsternannten Infokriegern und Truthern ist eigenständige Quellenrecherche eher verpönt. Das sieht man auch regelmäßig an den Reden und Internetplattformen der sog. Mahnwachen für den Frieden. Die Website Antifaschismus 2.0 hat es schön auf den Punkt gebracht: »Da sie sich im Besitz der Wahrheit wähnen, sind sie Kritik und kontroverser Diskussion nicht zugänglich. Kritiker werden als Systemknechte und bezahlte Schreiberlinge denunziert und mit äußerster Aggressivität persönlich angegriffen. Allgemein anerkannte Informations- und Wissensquellen werden als „Mainstream“ abqualifiziert und der Lüge und Manipulation verdächtigt; als akzeptable Informationsquellen gelten in erster Linie die Internetseiten aus dem Umfeld der Bewegung; einschlägige Links gelten als Beweise; durch ständiges gegenseitiges Zitieren und Verlinken entsteht ein endloser selbstreferentieller Kreislauf«.

Wir wissen nicht, ob Stephan Bartunek (Mahnwache Wien / Gruppe 42) sich selbst als Infokrieger oder Truther bezeichnen würde. Seine Quellenrecherche ist jedenfalls problematisch bis mangelhaft, wie wir bereits an anderer Stelle festgestellt haben (siehe hier, hier und hier).

Bartunek will mal wieder einen vermeintlichen Beweis dafür gefunden haben, dass die Zionisten in Wirklichkeit Verbündete der Nazis waren und die ganze Welt über diese sinistre Verschwörung getäuscht wird. Auch in diesem Fall verwundern uns Bartuneks Belege außerordentlich. Er möchte wohl andeuten, dass eine Nazi-Flagge im Jahr 1933 – mitten in Jerusalem – ein Beleg dafür sei, dass die Zionisten mit den Nazis kolaboriert hätten.

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Leider lässt Bartunek auch in diesem Fall jedes elementare historische Grundlagenwissen vermissen. Im Jahr 1933 gab es nämlich bekannterweise noch keinen Staat Israel. Die Region Palästina inkl. Cisjordanien und Transjordanien waren ab 1920 britisches Mandatsgebiet. Bis 1948 erstreckte sich das britische Völkerbundsmandat noch vom Jordan bis zum Mittelmeer. Auf dem Mandatsgebiet (in seinen Grenzen von 1920 bis 1923) entstanden später das heutige Israel und Jordanien, der Gazastreifen und das Westjordanland.

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Das Mandatsgebiet Palästina in den Grenzen von 1920 bis 1923 (einschließlich Cis- und Transjordaniens). Bild-Quelle: Wikipedia.

Das Hotel Fast gehörte auch keineswegs den pöhsen Zionisten (Bartuneks Lieblingsfeindbild), sondern Angehörigen der sog. Tempelgesellschaft – einer christlich-chiliastischen Religionsgemeinschaft, die ihren Ursprung um 1850 im Königreich Württemberg hat. In den 1930er Jahren diente das Hotel Fast als Konsulat von Nazi-Deutschland (daher auch die Hakenkreuz-Fahne). Das änderte sich allerdings mit dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges. Die Familie Fast (wie auch ein Großteil der deutschstämmigen Tempelgesellschaft), wurden von den Briten in einem Lager in Galiläa inhaftiert und später des Landes verwiesen.

Inwiefern soll also eine Hakenkreuzflagge auf einem Konsulat Nazi-Deutschlands im britischen Mandatsgebiet ein Beleg dafür sein, dass die Zionisten mit den Nazis kollaboriert hätten? Und inwiefern soll das unser Weltbild erschüttern? Die Antworten auf diese Fragen lässt Bartunek leider mal wieder bisher missen.

Unser Tipp an Stephan Bartunek: Selbstständig Quellen prüfen statt alles blind zu glauben, solange es nur dem eigenen verschrobenen Weltbild entspricht.

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Die »jüdischen Kronzeugen« des Antizionismus

Es gibt im Judentum ultraorthodoxe Strömungen, die den Staat Israel bzw. den Zionismus aus religiösen Gründen absolut ablehnend gegenüberstehen und gar als einen Frevel gegen ihre Religion ansehen. Sie glauben, dass erst wenn der Messias wieder auf Erden ist, dieser den Staat Israel ausrufen darf. Ein Beispiel dafür ist Neturei Karta mit weltweit 5000 – 8000 Anhängern. Neturei Karta ist vor allem wegen ihrer Teilnahme auf der Holocaustleugner-Konferenz im Iran in die Kritik geraten. Homosexualität, die gesellschaftliche Gleichberechtigung von Frauen und andere liberale Werte innerhalb der israelischen Gesellschaft, lehnt Neturei Karta genauso wie den Staat Israel selbst ab. Bei dem bekanntesten deutschen Vertreter Neturei Kartas dürfte es sich um Reuven Jisroel Cabelman handeln. Der Konvertit Cabelman wurde ob seiner israelfeindlichen Haltung von Hendry M. Broder als »Kostümjude« bezeichnet. Neturei Karta im Allgemeinen und Cabelman im Besonderen scheinen für Antisemiten aller Couleur eine strategische Alibifunktion zu erfüllen, um den Staat Israel delegitimieren zu können ohne sich durch diese »jüdischen Kronzeugen« allzu offensichtlich als Antisemiten zu entlarven. Daher ist es auch kein Wunder, dass Cabelman diese Funktion auch in diversen einschlägigen Facebook-Gruppen gerne einnimmt.

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Auch auf Querfront-Seiten wie Stephan Steins »Roter Fahne« (nicht zu verwechseln mit der gleichnamigen KPD-Zeitung) ist Cabelman ein beliebter Gastautor und auch auf Jürgen Meyers Querfront-Blog »Internetz Zeitung« wird er gerne herangezogen. Dass Cabelman als Jude dem Staat Israel die Existenzberechtigung abspricht, dürfte wohl der einzige Grund sein, wieso er in diesen pseudolinken Kreisen sehr beliebt ist. Was Cabelman nämlich ansonsten von Kommunismus oder Homosexualität hält, durfte man im Jahr 2013 bei seiner Rede auf dem al-Quds-Tag in Berlin erleben. Dort sagte er: »Der Kommunismus ist im Ganzen immer nichts anderes gewesen als total antisemitisch und judenfeindlich! […] Die bunte Regenbogenfahne die dort gehalten wird, ist direkt gegen das jüdische Volk, die Tora und gegen alles was dem jüdischen Volk heilig ist gerichtet. […] Die Tora verbietet die Legalisierung von Homosexualität«. Die Website JewWiki kritisiert des Weiteren Cabelmans Kontakte zum rechtsextremen Publizisten Manuel Ochsenreiter. Selbst das »Palästina Portal« distanziert sich scharf von ihm.

Wie steht Neturei Karta zum Thema Antisemitismus? Auch das konnte man auf dem diesjährigen al-Quds-Tag in Berlin mal wieder erleben. Die Berliner Zeitung schreibt: »Wie die Berliner Zeitung berichtete, rief ein Sprecher aus Jemen vom Lautsprecherwagen über das Mikrofon in arabischer Sprache „Tod Amerika, Tod Israel, verflucht seien die Juden und Sieg dem Islam“. Die Versammlungsbehörde hatte solche Sprüche, sowie Abwandlungen davon, untersagt. Ein entsprechender Auflagenbescheid war zuvor an die Demonstrationsveranstalter ergangen.« Weiter heißt es: »Die Vertreter der ultraorthodoxen jüdischen Gruppierung Neturei Karta, die regelmäßig an der Al-Quds-Demo teilnehmen, störten sich offensichtlich nicht an diesen Sprüchen. Neturei Karta fordert ebenfalls die Auflösung Israels, weil es ihrer Meinung nach nicht das Reich Gottes, sondern von Menschen gemacht ist.«

Siehe zu diesem Thema auch:

Antizionistische Juden: Die »jüdischen Kronzeugen«

http://lizaswelt.net/2006/12/16/mehr-als-nur-ein-kronzeuge/

„Neturei Karta“ – Der Antisemiten liebste Juden

http://eisberg.blogsport.de/2007/04/27/neturei-karta-der-antisemiten-liebste-juden/

Fünf Rabbiner der Neturei-Karta-Bewegung haben an der „Holocaust-Konferenz“ in Teheran teilgenommen

http://www.juedische-allgemeine.de/article/view/id/6922

Antizionismus

https://www.mut-gegen-rechte-gewalt.de/service/lexikon/a/antizionismus

Antizionistischer Antisemitismus

http://www.bpb.de/politik/extremismus/antisemitismus/37954/antizionistischer-antisemitismus

Pedram Shahyar und die »Bourgeoisie von Auschwitz«

Wir haben uns bereits in unseren letzten beiden Artikeln (siehe hier und hier) mit Pedram Shahyar auseinandergesetzt. In diesem Artikel soll es darum gehen, wie konsequent Shahyar seinen »Humanistischen Grundkonsens« umsetzt. In der Facebook-Gruppe »Bourgeoisie von Auschwitz« wird einiges an strafbaren Inhalten gepostet, z.B. unter Verwendung verfassungsfeindlicher Symbole oder nach einem neueren Urteil ebenfalls strafbare codifiziert-antisemitische Volskverhetzung (Gruppendiskussion als Screenshot). Sowohl Shahyar als auch die bekennenden Linken und Mahnwachen-Aktivisten Stephan Bartunek und Melchior-Christoph von Brincken sind Mitglieder dieser Gruppe. Mit der Propaganda Bartuneks und Brinckens setzen wir uns hier auseinander.

Friedensdemo-Watch schreibt dazu:

»Die „Linken“ Pedram Shahyar (Team KenFM, Aktionsbüro ‪#‎Friedenswinter‬) und Stephan Bartunek (Breitband Bartunek, Wahnmache Wien) werden sich nicht heraus reden können, nichts von der Gruppe gewusst zu haben und einfach hinzugefügt worden zu sein. Ein Beitrag in der Gruppe ist von beiden geliket worden, wie übrigens auch von dem Endgamer und Antisemiten Fuad Afane. Dieses Posting enthält unter anderem die antisemitische Behauptung Israel sei „faschistisch“¹, was dort in anderen Posting durch einen „Gaza-Auschwitz-Vergleich“ bzw. einer Gleichsetzung der Slogans „Arbeit macht frei“ und „free Gaza from Hamas“ noch drastischer formuliert wird, den Shahyar zumindest gesehen hat ohne sich daran zu stören – so etwas bemängelt er nur öffentlichkeitswirksam, wenn es darum geht seine antisemitischen Freunde rein zu waschen und so zu tun als hätte seine Intervention bei den Wahnmachen einen anderen Sinn als sie für einen Teil der Linken als „bündnisfähig“ darzustellen. Bartunek will den antisemitischen Gehalt des „Israel-Nazi-Vergleiches“ im Gegensatz zu Shahyar sowieso nicht raffen und verfasste in der Gruppe ein Posting in dem er selsbt von „Zionazis“ schwurbelt. Weitere Mitglieder sind der wahnmachennahe Antimprapper Kaveh Ahangar, der Wahnmachen-Esoschrubler Rüdiger Lenz, der Endgamer Mahdi Feist, der Gründer/ Admin: Melchior-Christoph von Brincken und Claus Stephan Schlangen, letzteren vl. einigen u.a. deswegen bekannt, weil er es schaffte wegen antisemitsicher Äußerungen aus der Partei die Linke zu fliegen und weil es ein Tumblr-Blog gibt/gab, der sich allein der Sammlung seiner Aussagen widmet/e. Administratoren, und damit strafrechtlich möglicherweise für sämtliche Inhalte zur verantwortung zu ziehen, sind neben „von Brincken“ auch Claus Stephan Schlangen, Fuad Afane, Davicii Stefanovv und Stephan Bartunek. Bartunek und von Brincken kennen sich offenbar von der Wahnmache Wien, dort referierte er referierte über, was auch sonst, den Nahostkonflikt. Nach eigenen bekunden lebt Gruppengründer von Brincken in Wien ist aber auch in Berlin gemeldet. Er hat verschiedenene Internetauftritte wie seine Künstlerseite „kunst macht druck“, „soziale opposition“. „kein Blut für Öl“², wo sich unter einemer url die „bartunek“ beinhaltet eine Menge „Israelkritik“ versteckt. Bei „scharf-links“ trat er als Autor in Erscheinung, dort wurde aber auch ein Leserbrief veröffentlicht, in dem er sich über einen kritischen Artikel zu den Wahnmachen empörte. Ein von Brincken geschriebener Text wurde von Bartunek gesprochen und unter dem Account der Wahnmache Wien bei Youtube veröffentlicht – dabei handelt es sich um einen Aufruf zur Bildung einer Querfront. Bartunek wiederum ist z.B. durch das Teilen von antisemitischen „Weihnachtsgeschichten“ „bekannt“ geworden: „Am 22. Dezember 1913 erfolgte ein genialer Putsch wider die Demokratie in den USA, von dem nur wenige wissen, dass er stattgefunden hat und geglückt ist. Die meisten Abgeordneten hatten die Heimreise zu ihren Familien angetreten, um das Weihnachtsfest zu feiern, als vor den schütter besetzten Bänken des amerikanischen Kongresses ein Antrag eingebracht wurde, der das Geldschöpfungsrecht auf wenige Familien übertrug und die Macht für das kommende Jahrhundert zwischen diesen Privatbanken aufteilte. Mit dieser Machtvollkommenheit ausgestattet, hatten die Verschwörer also ihren Geld scheißenden Esel erfunden: Sie bedrucken die grünen Scheine mit Ziffern und vermieten diese seither gegen entsprechenden Zins an den amerikanischen Staat. Den Verschwörern war es seither ein leichtes, die Presse und damit die Meinungsbildung im Lande in die Gewalt zu bekommen und mittels Bestechung, Erpressung und Mord die Politik des Landes in Krieg und Frieden zu steuern. […] Die Gründerbanken waren: Rothschild Bank (London, Paris, Berlin) Warburg Bank (Hamburg und Amsterdam) Chase Manhattan Bank New York Goldman Sachs Bank New York Lehmann Bank New York Khun Loeb Bank New York Israel Moses Seif Bank Italien Lazard Brothers Bank Paris […] (Bitte keine antisemitischen Kommentare – danke)“ [Quelle]. Das es sich bei diesen angeblichen Weltherrschern fast ausschließlich um Juden handelt dürfte genauso klar sein, wie das die Liste frei erfunden ist. Die ganze Gruppe basiert auf der mittlerweile weitestgehend widerlegten Behauptung, die Nazis seien vor allem vom „Großkapital“ finanziert wurden, wie es trotz anderem Stand der heutigen Forschung auch heute noch gerne von gewissen Linken und (anderen) Verschwörungsideologen behauptet wird³ und auf der Behauptung, die gleichen Kräfte würden heute Faschisten in der Ukraine, in Israel und „selbstverständlich“ auch die Kritiker der Wahnmachen, z.B. Friedensdemo-Watch finanzieren.«

Quelle: https://www.facebook.com/friedensdemowatch/posts/878785282175729:0

Einige exemplarische Screenshots aus der Facebook-Gruppe:

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Pedram Shahyar hat oft wiederholt, dass Antisemitismus nicht toleriert werden dürfe und struktureller Antisemitismus sowie eine verkürzte Kapitalismuskritik nicht akzeptabel wären. Allerdings zeigt sich auch hier mal wieder, dass seine Lippenbekenntnisse nicht viel wert sind. Auf Facebook hat es jemand in einem Kommentar auf den Punkt gebracht:

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Shahyar scheint jede Kritik an den Mahnwachen als »antideutsche Propaganda« abzutun, aber ruft gleichzeitig dazu auf, dass man sich mit Kritik auseinandersetzen müsse. Auch hier zeigt Shahyar, dass es ihm nicht um einen ernsthaften und kritischen Diskurs geht, sondern darum möglichst jede Kritik mit dem Totschlagargument »antideutsch« zu ersticken, während andere bekennende Linke wie Lea Frings, Marsili Cronberg oder auch Patrik Baboumian mittlerweile ihr Engagement bei den Mahnwachen aufgrund der antisemitischen und verschwörungsideologischen Umtriebe eingestellt haben (Frings und Cronberg) oder gar rückblickend als schweren Fehler betrachten (Baboumian).

Aber was ist nun an den Argumenten aus der Facebook-Gruppe »Bourgeoisie von Auschwitz« dran? An dieser Stelle sei erneut auf unsere Artikel Der Antisemitismus der Mahnwachen-Protagonisten und Antiamerikanismus als geschichtsrevisionistische Entlastungsstrategie verwiesen, in welchen wir uns bereits etwas ausführlicher mit den Argumenten – wie wir sie auch in besagter Facebook-Gruppe vorfinden (Hitler wurde vom Großkapital an die Macht gebracht, »National-Zionismus« etc. pp.) – auseinandergesetzt haben. Fuad Afane (Zitat: »Ashkanazim sind keine Semiten. Ausländer Raus aus Palästina!«) , Melchior-Christoph von Brincken und Stephan Bartunek (Zitat: »Antizionismus ist Antifaschismus«) werden ebenfalls nicht müde auf die vermeintliche Kooperation der Nationalsozialisten mit den Zionisten hinzuweisen (Stichwort Ha’avara-Abkommen). Mit diesem Argument haben wir uns bereits ausführlich in unserem Artikel Susan Bonath: Eine Junge Welt-Journalistin auf Abwegen auseinandergesetzt. Mit der Abgrenzung zwischen legitimer Israelkritik und Antisemitismus haben wir uns in unserem Artikel Israel-Kritik versus Anti-Israelismus befasst.

Fußnoten von Friedensdemo-Watch:

¹ „Beispiele von Antisemitismus im Zusammenhang mit dem Staat Israel und unter Berücksichtigung des Gesamtkontextes können folgende Verhaltensformen einschließen, ohne auf diese beschränkt zu sein: […] Vergleiche der aktuellen israelischen Politik mit der Politik der Nationalsozialisten.“ http://www.european-forum-on-antisemitism.org/working-definition-of-antisemitism/deutsch-german/

² „Besonders gerne verstehen sich Antiimperialisten als Friedensfreunde. Auffällig ist, dass sie für „den Frieden“ – oder jedenfalls für ihre Vorstellung davon – regelmäßig nur dann kämpfen, wenn es gegen die USA, Israel oder den Westen geht. Können sie denen beim besten Willen nichts anhängen, lassen sie Kriege und Militäraktionen auf der ganzen Welt verdächtig kalt. Wie ressentimentgeladen dieses Weltbild ist, lässt sich anhand der Losung „Kein Blut für Öl“ zeigen. Als die USA 2003 den Irakkrieg begannen, demonstrierten hunderttausende unter diesem Motto. Es erwies sich als fähig, staatstragende BürgerInnen zusammen mit linken Antiimps, Islamisten und Nazis in Scharen auf die Straßen zu treiben. Vom positiven Bezug auf „das Blut“ wollen wir hier einmal schweigen. Reden wir über die andere Flüssigkeit. Dass das Saddam-Hussein-Regime Öl an den Westen verkaufte und unter Umgehung von Embargobestimmungen liebend gerne noch viel mehr geliefert hätte, es folglich keinen Krieg brauchte, damit die USA an irakisches Öl kamen, blendeten alle miteinander aus. Auch, dass die Hälfte des weltweit geförderten Öls zur Aufrechterhaltung des Verkehrs dient, ein „Krieg für Öl“ folglich auch dafür geführt worden wäre, dass deutsche Friedensfreunde jederzeit volltanken können, musste natürlich abgewehrt werden. Ein Aufruf zum Tankstellenboykott, zehntausendfach auf Friedensdemos verteilt, blieb erwartungsgemäß ohne Resonanz. Er passte nicht ins Bild von „uns Guten“ und „den Bösen“. Auch stellt sich zehn Jahre nach dem Irakkrieg – gegen den man aus anderen Gründen durchaus etwas haben konnte – keineR der vermeintlichen FriedensfreundInnen die Frage, wo denn nun eigentlich die US-Tankerflotten geblieben sind, die „dem irakischen Volk“ sein Öl raubten. KeineR fragt, warum ausgerechnet chinesische Konzerne den großen Deal machten, als die neue irakische Regierung Lizenzen für die Erdölindustrie vergab. (Siehe z.B. China plant milliardenschweren Öl-Deal im Irak, Spiegel online, 30.12.2012) Obwohl Kapitalismus also anders funktioniert, als sich Antiimperialisten das vorstellen, kramte eine angebliche Friedensbewegung im Jahre 2011 erneut die Parole „Kein Krieg für Öl“ hervor. Dass jedoch auch das libysche Gaddafi-Regime einen Großteil seines Reichtums aus dem Ölverkauf an den Westen bezog, dieser folglich auch diesmal dafür keinen Krieg nötig hatte, durfte einfach nicht wahr sein.“ http://emafrie.de/was-ist-antiimperialismus/

³ „In der Mitte der 1920er Jahre war die Partei fast gänzlich auf Beiträge, Erlöse für Propagandamaterial oder Eintrittsgelder angewiesen. Nur einzelne mittelständische Unternehmer wie der Klavierbauer Edwin Bechstein oder der Verleger Hugo Bruckmann griffen Hitler beim Neuaufbau seiner Partei unter die Arme. Ende 1926 versuchten die Nationalsozialisten daher durch intensives Werben bei der Großindustrie neue Geldquellen zu erschließen. So versuchte Hitler über Emil Kirdorf Kontakt zur Großindustrie zu bekommen und verfasste die nur in Industriekreisen verbreitete Schrift Der Weg zum Wiederaufstieg, in der er versuchte seine Ideologie den Industriellen nahezubringen. Im Oktober 1927 kam es daraufhin zu einem Treffen mit führenden Unternehmern aus dem Ruhrgebiet, das allerdings finanziell für die NSDAP ergebnislos blieb. Ebenfalls sprach Hitler zwischen 1926 und 1927 vier mal in Essen vor jeweils mehreren hundert Industriellen.[…] Als Splitterpartei blieb sie jedoch für die Industrie bis zum überraschenden Wahlerfolg von 1930 weitgehend uninteressant. Erst danach begannen die Beziehungen zwischen Partei und Industrie enger zu werden. Die entscheidende Forschungsfrage war, welche Qualität diese Beziehungen annahmen. Welche Bedeutung diese Spenden aus der Industrie und von anderer Seite für die Gesamtfinanzierung der Partei vor 1933 hatten, ist auf Reichsebene wegen der schlechten Überlieferungslage nur schwer abschätzbar. Gemeinsam mit Horst Matzerath wies Turner aber anhand von vorhandenen Daten für die Gaue im Rheinland eine starke Selbstfinanzierungsquote über Mitgliederbeiträge nach. Deutlich geringer waren die Bedeutung von Spenden, die zumeist ebenfalls von Mitgliedern kamen, und die Einnahmen aus Veranstaltungen. So nahm die Partei im Gau Köln-Aachen zwischen Juni und August 1931 insgesamt 62.310 RM ein. Davon entfielen 47.015 (75 %) auf Beiträge, 8705 RM auf Spenden und 6400 RM auf Veranstaltungseinnahmen. Hinzu kamen 190 RM sonstige Einnahmen. Insgesamt war die NSDAP ähnlich wie die SPD und anders als die bürgerlichen Parteien eine sich selbst finanzierende Partei. Bei ihren Spendeneinnahmen spielte auch weniger die Großindustrie eine Rolle, die sich durch die anhaltende „sozialistische“ Rhetorik der Partei abgeschreckt fühlte – in den Länderparlamenten stimmte die NSDAP wiederholt gemeinsam mit den Linksparteien, z. B. 1927 gegen die Einführung der angeblich zu wenig arbeiterfreundlichen Arbeitslosenversicherung und die Erhöhung der indirekten Steuern. Wichtiger waren kleine oder mittelständische Industrielle wie Bechstein. Zwar gab es außer NSDAP-Mitglied Thyssen auch einige Großunternehmer, die größere Spendenbeträge überwiesen, doch konnte Turner nachweisen, dass sie gleichzeitig und zumeist in noch höherem Grade auch andere Parteien unterstützten. Zweck dieser Spenden war nicht, die NSDAP an die Macht zu bringen, sondern sich ihres Wohlwollens im Falle einer Machtergreifung zu versichern – so im Falle Friedrich Flicks, der wegen der Gelsenberg-Affäre angreifbar war – oder um sie von ihrem vermeintlich sozialistischen Kurs abzubringen. Einen bedeutenden finanziellen Beitrag zur Unterstützung des Nationalsozialismus leistete die deutsche Industrie vor der Machtübernahme nicht.“ https://de.wikipedia.org/wiki/Gro%C3%9Findustrie_und_Aufstieg_der_NSDAP

Quelle: https://www.facebook.com/friedensdemowatch/posts/878785282175729:0

Der Artikel wird hier fortgesetzt.

Charlie Hebdo – Die ideologische Ausschlachtung eines Massakers

Am 7. Januar 2015 stürmten gegen 11:30 Uhr zwei mit Kalaschnikows bewaffnete vermummte Männer die Redaktion der französischen Satirezeitschrift Charlie Hebdo und ermordeten zwölf Menschen. Es handelte sich um die Gebrüder Saïd und Chérif Kouachi. Die beiden Franzosen waren die Kinder algerischer Eltern und wurden unter dem Einfluss des islamistischen Predigers Farid Benyettou religiös-politisch radikalisiert. Es handelte sich also um Islamisten mit Migrationshintergrund und diese Tatsache lässt sich leider in Zeiten von Pegida und erstarkenden rechtspopulistischen Parteien in ganz Europa prima instrumentalisieren. Just zu diesem Zeitpunkt kochte in Frankreich die Debatte um Islamisierung und Zuwanderung u.a. durch Michel Houellebecqs umstrittenen Roman »Unterwerfung« gerade besonders hoch und so ist es kaum verwunderlich, dass auch die rechtsradikale Partei Front National die Tragödie für sich populistisch ausschlachtet. Die Parteivorsitzende Marine Le Pen ging gar so weit, die Wiedereinführung der Todesstrafe zu fordern. Aber auch in Deutschland spielte das Massaker sowohl der NPD und den Pegida-Demonstranten in die Hände, als auch den Protagonisten der Verschwörungsindustrie. Und so sprudelten auch schon die ersten Verschwörungstheorien aus den Untiefen des Internets hervor, als die Leichen der Opfer noch nicht einmal kalt waren. Ganz so plump wie der britische Braunesoteriker David Icke ging man zwar selten vor, denn Icke behauptete auf Facebook, dass es sich bei der Hinrichtung des Polizisten Ahmed Merabet, die zufällig gefilmt wurde, um einen Fake handeln würde.

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Vermutet David Icke mal wieder die Reptilienmenschen hinter dem Anschlag auf Charlie Hebdo?

Die Beantwortung der Frage, ob Merabet nun sein restliches Leben in Neuschwabenland oder der hohlen Erde verbringen muss, damit der Schwindel nicht auffliegt, ließ Icke freilich offen.

Es war nicht schwer abzusehen, dass auch die deutschen Verschwörungsunternehmer das Massaker für sich ideologisch ausschlachten würden und es war ebenfalls nicht schwer zu erraten, wer die Tragödie welcher sinistren Hintergrundmacht in die Schuhe schieben würde. Jürgen Elsässer etwa verfasste kurz nach dem Attentat einen Artikel mit der Überschrift »Der Terror in Paris zeigt, wie Recht PEGIDA hat! Protestiert gegen den Terror, und nicht gegen PEGIDA!« und faselte etwas von einer False-Flag-Operation militanter Islamisten durch CIA und Mossad, denn Hollande hätte die westlichen Russlandsanktionen abgelehnt und das französische Parlament wolle den Staat Palästina anerkennen. Auch die populäre Facebook-Seite Anonymous.Kollektiv, die laut Lars Mährholz von einem gewissen Mario Rönsch betrieben wird, teilt die Ansicht, dass es sich um eine Strafaktion Israels handeln würde.

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Hat auch hier mal wieder seine Finger im Spiel: Das Weltzionistentum.

Albrecht Müller hingegen spekuliert auf seinen Nachdenkseiten über False-Flag-Operationen der NATO/CIA-Geheimorganisation Gladio und der Geheimloge Propaganda Due (P2). Ins gleiche Horn bließ auch Ken Jebsen und vermutete in einem YouTube-Video die Nato als Täterin. Zitat KenFM: »Wem nützt dieser Anschlag? Gerade jetzt? Wir wissen aus der dunklen Geschichte der NATO, da sie selber über 40 Jahre unzählige Terroranschläge selber durchführte, oder aber ausführen lies. Durch dritte. .Z.B. einschlägig bekannte Neonazis und Rechtsradikale. Dabei gingen die Täter oft mit der selben Brutalität vor wie jetzt in Paris«.

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Zitat Jürgen Elsässer: „Jedenfalls: Wer jetzt noch gegen PEGIDA demonstriert, spuckt auf die Gräber der Toten in Paris“.

Aber was weckte nun Ken Jebsens Misstrauen an der »offiziellen Version«?

Zitat Jebsen: »Wichtig ist, dass es sich in Paris um muslimische Attentäter handeln soll. Das passt. Schließlich sollen die bewaffneten und vermummten Männer während ihrer Tat den Satz ausgerufen haben: „Wir haben den Propheten gerächt“. In perfektem Französisch«.

Wow, zwei gebürtige Franzosen die perfekt und akzentfrei die französische Sprache beherrschen. Sehr verdächtig! Das lässt wahrlich einen jeden kritischen Geist aufhorchen.

Zitat Jebsen: »Was auffällt ist, dass auch dieses Verbrechen schon geklärt zu sein scheint, bevor die Ermittler eine SoKo zusammenstellen konnten. Es müssen Moslems gewesen sein. Genau wie am 11. September 2001. New York wie Paris wurden nach eigenen Angaben völlig überrascht, und dennoch ist in beiden Fällen immer schon Minuten nach den Anschlägen glasklar, in welchem Milieu die Täter zu finden sein müssen«.

Vermutlich waren bereits der Ausruf »Wir haben den Propheten gerächt« und die Tatsache, dass Charlie Hebdo seit Jahren ob seiner islamkritischen Karikaturen Morddrohungen erhielt und bereits einen Brandanschlag hinter sich hat, starke Indizien dafür, dass es sich bei den Attentätern um Muslime handeln könnte. Ein Indiz dafür, dass es sich bei 9/11 um Muslime handeln könnte, war wohl, dass sich Osama Bin Laden und Al-Qaida kurz nach dem Anschlag öffentlich zu ihrer Täterschaft bekannt haben.

Weiterhin argumentiert Jebsen, dass einer der Attentäter seinen Personalausweis im Fluchtwagen vergessen hätte. Das geschah während die Terroristen das Auto wechselten und dieser Zufall sei nun einmal sehr unwahrscheinlich. Stimmt, im Eifer des Gefechts kann man ja nicht mal einen dummen Fehler machen und sein Portemonnaie liegen lassen, wenn man vor dem gesamten französischen Sicherheitsapparat auf der Flucht ist. Jebsen weiter: »Wer nimmt seinen Personalausweis mit wenn er plant Menschen im grossen Stil zu erschießen?«. Gegenfrage: Warum nicht? Damit man sonst nicht identifiziert werden kann, falls man geschnappt wird? Eugène François Vidocq würde wohl im Grab rotieren, wenn er wüsste, dass man der französischen Polizei nur noch die Kompetenz eines Jacques Clouseau zutraut. Und falls man beabsichtigt sich ins Ausland abzusetzen, so wäre es sicher recht praktisch, wenn man sich auch ausweisen könnte.

Desweiteren stellt Jebsen eine Analogie zu Satam al-Suqami her. Der Pass des 9/11-Terroristen hatte die Explosion überstanden und wurde in der nähe des World Trade Centers gefunden – wie übrigens diverse andere Objekte aus Pappe und Papier auch. Klingt unwahrscheinlich? Stimmt, das klingt wirklich nicht sehr wahrscheinlich. Übrigens, die Raumfähre Columbia brach am 1. Februar 2003, bei ihrem 28. Weltraumeinsatz, beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre auseinander, wobei alle sieben Besatzungsmitglieder ums Leben kamen. Das heißt… es gab durchaus Überlebende. In den Trümmern wurden ein paar Fadenwürmer der Gattung Caenorhabditis elegans gefunden, die zwecks Experimenten im Weltall mit auf die Reise genommen wurden. Wie wahrscheinlich ist das? Und überhaupt: Warum hätten die US-Behörden den Pass ausgerechnet in der Nähe des Tatorts platzieren sollen? Und warum hätten die französischen Behörden den Personalausweis ausgerechnet im Fluchtwagen deponieren sollen? Da hätte man sich durchaus eine kreativere und unverdächtigere Geschichte ausdenken können, um das kriminalistische Geschick der Police Nationale unter Beweis zu stellen.

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Religiöser Fundamentalismus und Märtyrertum? Passt für Jebsen nicht zusammen.

Natürlich ist für Jebsen klar, dass irgendwie auch die Zionisten ihre Finger im Spiel haben müssen, denn schließlich wissen wir aus vielen seiner Vorträgen, wie viel Macht und Einfluss Menschen mit »jüdischen Roots« haben. Und so lässt er es sich nicht nehmen auch in diesem Fall auf sein Lieblingsfeindbild zu referieren:

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Darf zu keinem Thema fehlen: Die obligatorische Anspielung auf die „Antisemitismuskeule“.

Ken Jebsen twitterte also in Anspielung auf die islamkritischen Karikaturen von Charlie Hebdo eine Zeichnung des antisemitischen Cartoonisten Carlos Latuff. Latuff kritisiert mit seiner Karikatur, dass zwar islamkritische Cartoons unter die Pressefreiheit fallen würden, während Kritik am Judentum Antisemitismusvorwürfe nach sich ziehen würde. Aber stimmt diese Behauptung oder spielt Jebsen mal wieder mit antisemitischen Ressentiments, wenn er andeutet, dass ominöse Hintergrundmächte mittels der »Antisemitismuskeule« untersagen, dass scharfe Kritik am Judentum geäußert wird? Werfen wir mal einen Blick auf die Arbeiten von Charlie Hebdo. Stéphane Charbonnier (Pseudonym Charb) ist einer der ermordeten Karikaturisten von Charlie Hebdo. Sein Steckenpferd war u.a. die satirische Auseinandersetzung mit Religionen. Neben der Kritik am Christentum und dem Islam hat sich Charb auch immer wieder satirisch mit dem Judentum befasst. So verfasste er beispielsweise eine Reihe mit dem Titel »Un commandement de la Torah par jour« (Das Gebot des Tages: Die Tora Illustriert von Charb), in der er sich damit auseinandersetzte, dass viele Juden seiner Meinung nach ihre religiösen Werte im Alltag und durch den israelisch-palästinensischen Konflikt ad absurdum führen würden. Auch hier zeigt sich also mal wieder, dass Jebsen antisemitische Verschwörungstheorien bei genauerer Überprüfung ins Leere laufen. Aber vielleicht ist es für Jebsen auch einfach nur unbegreiflich, dass man das Judentum und Israel kritisieren und durch den Kakao ziehen kann, ohne sich antisemitischer Ressentiments und Stereotype zu bedienen.

Bekanntlich kochen besonders in religiösen Belangen die Gemüter der Gläubigen hoch, wenn es um beißenden Spott geht. Mehrmals klagten die katholische Kirche, aber auch islamische Organisationen gegen Charlie Hebdo. Aber muss Satire wirklich ausgewogen und zurückhaltend sein? Kurt Tucholsky schrieb: »Die Satire muss übertreiben und ist ihrem tiefsten Wesen nach ungerecht. Sie bläst die Wahrheit auf, damit sie deutlicher wird, und sie kann gar nicht anders arbeiten als nach dem Bibelwort: Es leiden die Gerechten mit den Ungerechten. […] Was darf die Satire? Alles«.

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Auch was das Judentum betrifft hat Charlie Hebdo kein Blatt vor den Mund genommen.

Und schließlich kommt Jebsen zu der sensationellen Erkenntnis: »Nur was auch passt ist die Erkenntnis, dass es in der Politik und damit in der Geschichte keine Zufälle gibt«. Was braucht es auch komplexe Erklärungsmodelle, wenn man Feindbilder hat und daher sowieso prinzipiell immer vorher weiß, wer an allem Übel schuld ist? Die gleichgeschaltete Lügenpresse lügt, die Politik ist korrupt, die Wissenschaft ist eingekauft und jeder Kritiker ein bezahlter Desinformant. Es gilt alles und jeden zu hinterfragen – nur eben nicht sich selbst. Wer die absolute Wahrheit und nichts als die Wahrheit wissen will, der muss eben Elsässers Compact-Magazin abonnieren oder KenFM-Videos anklicken, damit Jebsen seine Werbeeinnahmen bekommt. Abschließend bleibt wohl nur noch einen anderen Comiczeichner, nämlich Alan Moore, zu zitieren: »The main thing that I learned about conspiracy theory is that conspiracy theorists actually believe in a conspiracy because that is more comforting. The truth of the world is that it is chaotic. The truth is, that it is not the Jewish banking conspiracy or the grey aliens or the 12 foot reptiloids from another dimension that are in control. The truth is more frightening, nobody is in control. The world is rudderless«.

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Siehe zum Thema Charlie Hebdo und der Auseinandersetzung mit dem Judentum und Israel auch:

http://forward.com/articles/212292/why-charlie-hebdo-must-be-free-to-offend-all-ev/

http://blogs.forward.com/the-shmooze/212244/when-charlie-hebdo-lampooned-jews-too/

https://web.archive.org/web/20140626021238/http://www.charliehebdo.fr/dossier/torah-71.html

Siehe dazu auch:

http://jungle-world.com/artikel/2015/03/51241.html

http://www.heise.de/tp/artikel/43/43809/1.html

http://www.huffingtonpost.de/2015/01/11/paris-attentat-verschwoerungstheorien_n_6450856.html

http://motherboard.vice.com/de/read/geballte-digitale-medienkompetenz-erklrt-charlie-hebdo-angriff-zu-false-flag-op

http://herrkarlsblog.blogspot.ch/2015/01/uber-inszenierung-undcui-bono.html

http://herrkarlsblog.blogspot.ch/2015/01/albrecht-muller-empfiehlt-andreas-von.html

https://genfmblog.wordpress.com/2015/01/11/charlie-hebdon-und-die-verschworungstheorien/

https://nazienkel.wordpress.com/2015/01/14/er-und-sein-kollege-breivik-jebsen-dreht-weiter-am-rad/

https://nazienkel.wordpress.com/2015/01/08/ken-jebsen-leichenfledderei-teil-1/

https://nazienkel.wordpress.com/2015/01/09/ken-jebsens-leichenfledderei-teil-2/

Die Kentrail-Verschwörung 1

Die Kentrail-Verschwörung 2

Friedensdemo-Watch 1

Friedensdemo-Watch 2

Friedensdemo-Watch 3

Susan Bonath – Eine Junge Welt-Journalistin auf Abwegen

Susan Bonath ist Sachsen-Anhalt-Korrespondentin der Tageszeitung Junge Welt. Sie ist ebenfalls in der Facebook-Gruppe »Junge Welt« aktiv und verbreitet dort ihre teils sehr kruden Behauptungen. Bedauerlicherweise werden kritische Stimmen (in Bezug auf die sog. Montagsmahnwachen, antisemitische Argumentationen etc.) in der Regel aus der Gruppe entfernt, während der Administrator der Gruppe mit antisemitischen Äußerungen anscheinend weniger Probleme hat, denn rausgeworfen oder zumindest verwarnt werden Verfasser derartiger Ergüsse nicht:

Bruder

Auf der Facebook-Seite von Jutta Ditfurth wurden Screenshots einer Konversation veröffentlicht, an der die Junge Welt-Journalistinnen Claudia Wangerin und Susan Bonath sowie der Administrator der Gruppe Helmut-Alexander Kalex beteiligt waren. Susan Bonath schrieb dort wieder mal recht krude Kommentare. Exemplarisch wollen wir uns zwei ihrer Kommentare herauspicken und uns an einen Faktencheck wagen.

SusanZitat

Susan Bonath: »Antisemitisch nach unserem Verständnis – ein sinnvolleres Wort wäre antijüdisch – ist, wenn einer Menschen jüdischen Glaubens hasst und ihnen aufgrund dieses Glaubens irgendeine Schuld in die Schuhe schiebt.«

Das ist falsch… Eine überwiegend religiös motivierte Judenfeindschaft bezeichnet man als Antijudaismus. Ein bekanntes Beispiel hierfür sind die antijudaistischen Schriften Martin Luthers. Luther gilt allerdings gemeinhin auch als einer der Wegbereiter des modernen Antisemitismus.

Den völkischen Antisemitismus kennzeichnet eine veränderte Auffassung von den Juden, die nun nicht mehr primär über ihre Religion definiert werden, sondern als Volk, Nation oder Rasse. Die Nationalsozialisten  haben dem Judentum einen »rassischen« Charakter angedichtet. Man sprach von den »fremden jüdischen Elementen« die die »ethnisch einheitlichen« Völker zersetzen würden.

»Antisemitismus ist eine Sammelbezeichnung für unterschiedliche ideologische Begründungen für die pauschale Feindschaft gegen und Herabwürdigung von Juden. Im Laufe der Jahrhunderte bildeten sich religiöse, soziale, politische, rassistische, sekundäre und antizionistische Ideologieformen heraus.«

Siehe dazu den entsprechenden Artikel der Bundeszentrale für politische Bildung:

http://www.bpb.de/apuz/30327/ideologische-erscheinungsformen-des-antisemitismus?p=all

Susan Bonath: »Orthodoxe Juden, also jene, die ihre Religion ernst nehmen, prangern den Zionismus an. Ein Berliner Jude sagte mir, dass „Zionisten den jüdischen Glauben für ihre rassistischen Machtansprüche missbrauchen“. […] Dass das größte Anliegen der Zionisten schon immer der Staat Israel war – während die gläubigen Juden auf Gottes Eingriff warteten und einen eigenen Staat immer ablehnten – geht sehr anschaulich aus Theodor Herzls Buch „Der Judenstaat“ von 1896 hervor. […] Wer Zionismus mit Judentum gleichsetzt, ist in meinen Augen ein rechter Tatsachenverdreher. […] Wer Juden, die Zionismus ablehnen, das Recht auf jüdischen Glauben abspricht oder sie, wie Hendryk M. Broder, als „Kostümjuden“ betitelt, ist ein rechter Demagoge.«

Das ist falsch. Es leben ca. 700.000 orthodoxe Juden in Israel, wo sie rund 10 Prozent der Bevölkerung ausmachen. Seit 1911 existiert das sog. Oberrabbinat. Dem israelischen Oberrabbinat stehen derzeit zwei ultraorthodoxe, ein aschkenasischer und ein sephardischer Oberrabbiner vor. Die allermeisten orthodoxen Juden sind also keineswegs Antizionisten.

Wahr ist hingegen, dass es ultraorthodoxe Strömungen gibt, die den Staat Israel bzw. den Zionismus aus religiösen Gründen absolut ablehnend gegenüberstehen und als einen Frevel gegen das Judentum ansehen. Laut den antizionistisch-ultraorthodoxen Juden könne nur Gott höchstpersönlich einen Staat Israel ausrufen. Die größte antizionistisch-ultraorthodoxe Glaubensgemeinschaft ist Neturei Karta mit weltweit 5000 – 8000 Anhängern. Neturei Karta ist vor allem wegen ihrer Teilnahme auf der Holocaustleugner-Konferenz im Iran in die Kritik geraten. Homosexualität, die gesellschaftliche Gleichberechtigung von Frauen und andere liberale Werte innerhalb der israelischen Gesellschaft, lehnt Neturei Karta genauso wie den Staat Israel selbst ab. Bei dem bekanntesten deutschen Vertreter Neturei Kartas dürfte es sich um Reuven Jisroel Cabelman handeln. Der Konvertit Cabelman wurde ob seiner israelfeindlichen Haltung von Hendry M. Broder als »Kostümjude« bezeichnet. Neturei Karta im Allgemeinen und Cabelman im Besonderen scheinen für Antisemiten aller Couleur eine strategische Alibifunktion zu erfüllen, um den Staat Israel delegitimieren zu können ohne sich durch diese »jüdischen Kronzeugen« allzu offensichtlich als Antisemiten zu entlarven. Auf Querfront-Seiten wie Stephan Steins »Roter Fahne« (nicht zu verwechseln mit der gleichnamigen KPD-Zeitung) ist Cabelman ein beliebter Gastautor und auch auf Jürgen Meyers Querfront-Blog »Internetz Zeitung« wird er gerne herangezogen. Dass Cabelman als Jude dem Staat Israel die Existenzberechtigung abspricht, dürfte wohl der einzige Grund sein, wieso er in diesen pseudolinken Kreisen sehr beliebt ist. Was Cabelman nämlich ansonsten von Kommunismus oder Homosexualität hält, durfte man erneut bei seiner Rede auf dem al-Quds-Tag in Berlin erleben. Dort sagte er: »Der Kommunismus ist im Ganzen immer nichts anderes gewesen als total antisemitisch und judenfeindlich! […] Die bunte Regenbogenfahne die dort gehalten wird, ist direkt gegen das jüdische Volk, die Tora und gegen alles was dem jüdischen Volk heilig ist gerichtet. […] Die Tora verbietet die Legalisierung von Homosexualität«. Die Website JewWiki kritisiert des Weiteren Cabelmans Kontakte zum rechtsextremen Publizisten Manuel Ochsenreiter. Auch das »Palästina Portal« distanziert sich scharf von ihm.

Siehe zum Thema Neturei Karta auch:

http://eisberg.blogsport.de/2007/04/27/neturei-karta-der-antisemiten-liebste-juden/

http://www.bpb.de/politik/extremismus/antisemitismus/37954/antizionistischer-antisemitismus

http://www.juedische-allgemeine.de/article/view/id/6922

Susan Bonath: »Wer Zionismus mit Judentum gleichsetzt, ist in meinen Augen ein rechter Tatsachenverdreher.«

Das Judentum ist eine Religion und der Zionismus ist eine politische Ideologie. Bonath hat natürlich mit der Aussage recht, dass nicht alle Juden Zionisten sind und demzufolge auch nicht alle Zionisten Juden. Allerdings zielt der Zionismus auf die Errichtung, Rechtfertigung und Bewahrung eines jüdischen Nationalstaats und ist somit eben nicht vom Judentum losgelöst. Um es mit Gregor Gysi zu sagen: »Die gescheiterte politische Emanzipation der Jüdinnen und Juden in den europäischen Nationalstaaten und insbesondere der Holocaust haben das Projekt der Gründung eines jüdischen Nationalstaats zwingend erforderlich gemacht. Nach tausenden Jahren Ausgrenzung, Pogromen und dann der nationalsozialistischen Barbarei, das heißt der Ermordung von Millionen Jüdinnen und Juden, den Überlebenden des Holocaust zu empfehlen, nun doch auf die Emanzipation in anderen Nationalstaaten zu setzen, wäre wohl deutlich zu viel verlangt gewesen. Und so stellte sich das jüdische Nationalstaatsprojekt als alternativlos dar. Daraus resultiert auch die stabile Verantwortung für Israel. Alle modernen Nationen haben irgendwo einen antisemitischen Schandfleck in ihrer Geschichte. Aber der von den Deutschen durchgeführte Holocaust ist singulär. Die Grundannahme des Zionismus, wenn die Jüdinnen und Juden eine Staatsmacht haben wollen, die sie auch wirklich schützen soll, dann nur in ihrem eigenen Staat, ist nach dieser historischen Entwicklung kaum noch ernsthaft bestreitbar. Antizionismus kann für die Linke insgesamt, für die Partei DIE LINKE im Besonderen, keine vertretbare Position sein. Die Solidarität mit Israel sollte zugleich immer auch eine kritische sein.«

Susan Bonath: »Wenn sie sich mit Geschichte befasst hätten und nicht nur den Fraß schlucken würden, den ihnen diverse Welterklärer vorwerfen, wären sie auf eindeutige Fakten gestoßen, dass Zionisten sehr, sehr lange mit Hitler zusammengearbeitet haben. Und zwar verfolgten diese Zionisten keineswegs damit das Ziel, alle Juden zu schützen. Vielmehr ging es ihnen um den Staat Israel. Genau deshalb unterstützten zionistische Gruppen die Nazis recht offen. Sie brachten fast ausschließlich ihre Anhänger aus Deutschland nach Palästina, aber nicht gläubige Juden, die Zionismus ablehnten. Es gibt Nachweise, dass sich Vertreter der Zionisten aus dem späteren Israel noch 1942 mit Hitlers Nazi-Mannschaft getroffen hatten.«

Richtig ist, dass die Zionistische Vereinigung für Deutschland mit dem nationalsozialistischem Regime das sog. Ha’avara-Abkommen ausgehandelt hat. Die Nationalsozialisten haben zahlungskräftigen Juden eine Ausreise nach Palästina gestattet. Die deutsche Seite erhoffte sich dadurch »den deutschen Export zu fördern, insbesondere den damals befürchteten internationalen Handelsboykott zu durchbrechen«. Selektiert wer das Ha’avara-Abkommen in Anspruch nehmen durfte haben also die Nazis und keineswegs – wie Frau Bonath behauptet – die zionistische Seite.

Aber kann man deswegen sagen, dass die Zionisten mit den Nazis kollaboriert haben? Alexander Schölsch, Professor für Politikwissenschaft und Geschichte des Nahen Ostens an der Universität Erlangen, schrieb dazu: »Jede Kritik an der Zusammenarbeit von Zionisten mit nationalsozialistischen Stellen im Rahmen des Haavara-Abkommens (und diese Kooperation war sowohl innerhalb der zionistischen Bewegung als auch innterhalb der jüdischen Gemeinschaften Europas und Amerikas heftig umstritten) kann an dem Grundtatbestand nicht vorbeigehen, dass es eine Aktion war, die bedrängten deutschen Juden eine Emigrationsmöglichkeit in einer Zeit schuf, als ihnen die Tore Westeuropas und Amerikas keineswegs offenstanden. Verfolgten die Zionisten dabei sinistre Ziele? Sie hätten sich selbst und ihre Ideologie verleugnen müssen, wenn sie nicht die Gelegenheit genutzt und möglichst viele Auswanderer nach Palästina geleitet hätten. Verkörperte der Zionismus eine verwerfliche Idee, dann war alles verwerflich, was seine Repräsentanten taten. Das Haavara-Abkommen als solches stellt die Zionisten aber nicht bloß. Die Beschuldigung, mit dem Abkommen seien „die Interessen der jüdischen Massen in Europa den politischen Ambitionen der Zionisten [geopfert worden]“, wäre nur dann zutreffend, wenn diese Abkommen die Emigration von Juden in andere Länder behindert oder die Situation der Juden in Deutschland verschlimmert hätte. Es waren doch nicht die Zionisten, denen es endlich gelang, die deutschen Juden von der Notwendigkeit der Emigration zu überzeugen, sondern es waren die Nazis, die sie zu dieser „Einsicht“ zwangen. Nicht die Zionisten haben das nationalsozialistische Regime zu dem Entschluss gebracht, die Emigration zu forcieren; vielmehr bedienten sich die Nazis der Zionisten. Diese versuchten, die Emigration in der für sie günstigsten Weise zu gestalten – die gleichzeitig den Interessen der nationalsozialistischen Stellen entsprach. Wenn behauptet wird, „das Zögern der deutschen Juden, sich auf Geheiß des Zionismus zu entwurzeln, musste durch Überredung überwunden werden, die die Nazis gerne zu leisten bereit waren“, so ist dies eine bösartige Verkehrung von Ursache und Wirkung, die einer Entschuldigung der nationalsozialistischen Judenverfolgung gleichkommt, indem sie die Zionisten zu Initiatoren dieser „Entwurzelungspolitik“ stempelt.«

Die Rote Ruhr Uni schreibt dazu ergänzend: »Auch in der Vergangenheit suchte sich das aggressive Bedürfnis nach Exkulpation zu befriedigen. So werden das Ha’avara-Abkommen, das 1933 zwischen dem Reichswirtschaftsministerium und der Zionistischen Vereinigung für Deutschland abgeschlossen wurde und gegen den Export deutscher Waren nach Palästina bis 1939 60.000 Juden die Ausreise ermöglichte, sowie Kontakte einiger rechtsextremer Zionisten zur SS (als diese noch die Auswanderung der Juden betrieb) dazu benutzt, ein „Komplott“, eine „Kollaboration“, eine „verbrecherische Allianz des Zionismus und des Nazismus“ zu erfinden. Da scheint die Haganah fast zum Verursacher der NS-Judenpolitik zu werden, habe sie doch versucht, „die Mithilfe der SS bei der Beschleunigung der Austreibung der Juden zu gewinnen“. Erst entzogen sich die Zionisten schon durch feige Flucht der Verpflichtung, anstelle der versagenden deutschen Arbeiterbewegung den NS zu stürzen, dann brachten sie noch mit dem Ha’avara-Abkommen „jeglichen Versuch eines wirtschaftlichen Boykotts des Nazireichs zum Scheitern“! Selbst sind sie schuld, die Juden-Zionisten, hat doch „ihre Konspiration mit den Nazis … dazu beigetragen, das Nazi-Regime zu stärken und die Front des antifaschistischen Kampfes … zu schwächen“, hielten sie doch „den Faschismus im Sinne ihrer Pläne für wünschenswert …, der den Juden den Tod brachte“, womit die Zionisten „den Tod von vielen Tausenden von Juden durch Hitler auf dem Gewissen haben“. Die von den Antizionisten betriebene Verschiebung des NS nach Israel, die Rede von einer „ideologischen Verwandtschaft zwischen dem Antisemitismus des NS-Faschismus und dem Zionismus“ bis hin zur obszönen Behauptung einer Mitschuld an der Vernichtung, leistet eine derart unverfrorene Verdrängung des NS, Exkulpation der deutschen Nation und Restituierung deutschen Nationalgefühls wie sie selbst Nolte et. al. weit von sich weisen würden: an jenem Staat, der allein durch seine Existenz die Erinnerung an Auschwitz nicht vergehen läßt und so dem Bedürfnis nach deutschem Nationalgefühl im Wege steht. „So sind sie uns perverserweise ähnlich geworden“ stellen mit der späten Geburt begnadete deutsche Antizionisten fest, und die solch scheinheiligem Entsetzen stets auf den Fuß folgende Entdeckung der Palästinenser als die „Juden der Juden“ bedeutet in seiner Konsequenz nicht nur Entschuldung, sondern Aufruf zu neuerlicher Gewalt – die Juden sollen nämlich bloß nicht glauben, „als hätten sie durch unsere Taten eine Art Mordbonus erhalten“. „Angesichts der zionistischen Greueltaten verblassen … die Nazigreuel“ stellte der Grüne Kalender 1983 befriedigt fest und rief nicht nur dazu auf: „Kauft nicht bei Juden“, sondern fragte erwartungsvoll, „wann den Juden endlich ein Denkzettel verpaßt wird“.«

Susan Bonath: »Herzl ist, falls sie es nicht wissen, Mitorganisator des ersten zionistischen Weltkongresses und Mitbegründer zionistischer Organisatinen. Er spricht bereits zu diesem Zeitpunkt im damals in Deutschland immer stärker gängigen Faschistenjargon. Er erwähnt bspw. „die Lösung der Judenfrage“ immer wieder. Er lobt den deutschen Nationalismus und nennt Juden „eine eigene Rasse“, der ein eigenes Land zu gehören habe. Er spricht sich für „rassische Trennung der Völker“ als „natürliche Ordnung“ aus. Und wohlgemerkt: Um heute Zionist zu sein, müssen sie kein Jude sein.«

Eine bekannte Schrift von Karl Marx heißt ebenfalls »Zur Judenfrage«. Weder Marx noch Herzl und ihre Zeitgenossen konnten die nationalsozialistische Terminologie und das wahre Potential des mörderischen Antisemitismus vorausahnen. Wenn wir heutzutage Begriffe wie »Volkstum«, »Gleichschaltung« oder »Entartung« hören, dann haben wir ob der Erfahrungen des nationalsozialistischen Sprachgebrauchs eine andere Einstellung zu solch einer Terminologie als es beispielsweise im 19. Jahrhundert der Fall war. So verhält es sich auch mit dem Begriff »Rasse«. »Der Rassebegriff avancierte insbesondere im 19. Jahrhundert zu einer anpassungsfähigen und flexiblen Ordnungskategorie fast beliebiger sozialer und kultureller Entitäten, keineswegs nur im biologistischen Sinne«.¹ »In der Anthropologie wurde Rasse vom späten 17. Jahrhundert bis gegen Ende des 20. Jahrhunderts als Bezeichnung zur Klassifizierung von Menschen verwendet, seit dem 19. Jahrhundert vielfach synonym mit Volk«.² »Rasse« bringt man heutzutage vor allem mit rassistischen und sozialdarwinistischen Ideologien in Verbindung. Des Weiteren weiß die moderne Wissenschaft, dass die anthropogenen Rassentheorien nicht haltbar sind. Daher gilt diese Terminologie inzwischen auch zurecht als verpönt und unwissenschaftlich. Zu Herzls Zeiten wurde der Begriff »Rasse« allerdings oftmals noch synonym für »Volk« verwendet. Hierbei ist es wichtig zu beachten, dass sich der Begriff »Volk« in Hinblick auf das Judentum primär traditionell³ und theologisch³ begründet.

Susan Bonath: »Wer auch heute noch meint, ein rein jüdischer Staat sei die einzige Lösung (zu Nazideutsch: Endlösung) für Juden und wer Juden als eigene „Rasse“ definiert, ist ebenfalls ein rechter Demagoge.«

Ein allgemeines Wort zu NS-Vergleichen: Analogien, welche die Politik Israels mit dem Massenmord an den europäischen Juden gleichsetzen, dienen zum einen einer Schuldabwehr- und Entlastungargumentation und zum anderen findet – ob beabsichtigt oder nicht – eine de-realisierende Relativierung des Holocaust statt.

Aber zurück zu den inhaltlichen Fakten. Israel versteht sich von seinem Selbstverständnis her als jüdischer Staat. Allerdings als »jüdischer Staat« im Sinne einer Heimstätte für alle Juden und nicht im Sinne einer religiös oder gar ethnisch homogenen Bevölkerungsstruktur. 20,7 % der israelischen Bevölkerung sind Araber, mehrheitlich sunnitische Muslime. Andere Minderheiten sind Bahai, Alawiten, Ahmadi, Samaritaner und Tscherkessen. Arabisch ist neben Neuhebräisch die zweite offizielle Sprache des Landes und arabische Israelis sind dem Gesetz nach gleichberechtigt. Allerdings muss man dazu sagen, dass auch viele offizielle israelische Quellen belegen, dass Araber in Israel in vielen Bereichen des Lebens diskriminiert werden. Die Diskriminierung israelischer Araber mahnt Frau Bonath zwar zurecht an, entlarvt sich allerdings durch ihre Halbwahrheiten und absurden Holocaust-Analogien.

Warum sind derartige NS-Analogien problematisch? Die Antisemitismuforscherin Monika Schwarz-Friesel dazu: »Um das einseitige Aggressorbild Israels aufrechterhalten zu können, werden Referenzialisierungen konstruiert, die auf Falschaussagen basieren. Die Verfälschung von Fakten erfolgt durch Umkehrung, Auslassung oder Relativierung von Sachverhaltsinformationen. Auf diese Weise erzeugen die sprachlinchen Strukturen ein Feindbild Israel, das zwar mit der Realität nicht kompatibel ist, dafür aber exakt das repräsentiert, was dem judeophoben Weltbild entspricht und das damit genau die ihm zugewiesene Funktion erfüllt. […] Um das Ausmaß israelischer Gewalt verbal höchstmöglich zu potenzieren, werden mit NS-Vergleichen irreale Kontrastierungen etabliert. Sie konstituierten absolute Täter-Opfer-Oppositionen. […] Juden erscheinen so (in der Täter-Opfer-Umkehr) als Tätervolk. Neben ihrer diskreditierenden Funktion dienen diese unangemessenen Vergleiche stets auch der Schuldabrechnung.«

Siehe zu diesem Themenbereich auch:

Israelbezogener Antisemitismus

http://www.amadeu-antonio-stiftung.de/w/files/pdfs/aas-israelfeindschaft.pdf

https://genfmblog.wordpress.com/2014/10/23/israel-kritik-versus-anti-israelismus/

Zur Logik des deutschen Antizionismus

http://www.rote-ruhr-uni.com/cms/Zur-Logik-des-deutschen.html

Das Dritte Reich, die zionistische Bewegung und der Palästina Konflikt

http://www.ifz-muenchen.de/heftarchiv/1982_4_3_schoelch.pdf

Antizionistischer Antisemitismus

http://www.bpb.de/politik/extremismus/antisemitismus/37954/antizionistischer-antisemitismus

Was heißt Antisemitismus?

http://www.bpb.de/politik/extremismus/antisemitismus/37945/antisemitismus

http://www.antisemitismus.net/theorie/glossar.htm

Robert Kurz: Krieg gegen die Juden – Warum sich die globale Öffentlichkeit in der ökonomischen Krise gegen Israel wendet

http://www.exit-online.org/link.php?tabelle=autoren&posnr=395

BonathFinanz

Susan Bonath: »Und wenn einer das Finanzkapital anprangert, bedeutet das noch lange nicht, dass er dahinter „Juden“ wittert.«

Da hat Susan Bonath natürlich recht. Allerdings behauptet auch niemand, dass jemand ein/e Antisemit/in sei, nur weil er oder sie das Finanzkapital anprangert. Es ist eher so, dass eine verkürzte Kapitalismuskritik für antisemitische Deutungsmuster anschlussfähig ist. »Moderner Antisemitismus ist mehr als ein politisch-programmatisches Phänomen, er ist ein Denkmuster, das unsere komplex erscheinende Welt auf eine Personifizierung gesellschaftlicher Entwicklungen reduziert. Gesellschaftliche Massenphänomene werden auf die Initiative einzelner verkleinert. „Der Antisemitismus […] tritt als scheinsäkulare Form auf und dient als Welt- und Realitätsdeutung. Gerade auch für die Linke tut sich hier eine Falle auf: Der Antisemitismus als Alltagsreligion bedient sich auch und vor allem der Sozialkritik. Aber eine Sozialkritik, die sich auf die Sphäre der Zirkulation […] beschränkt. Die Sphäre der Produktion, dort wo der wirkliche Raub […], die tatsächliche Plünderung erfolgt, wird notwendig ignoriert. Das Ressentiment gegen in Erscheinung tretenden Reichtum wird mit Sozialkritik verwechselt.“«

Andreas Exner über die politische Ökonomie des Antisemitismus:

»Der moderne, rassistische Antisemitismus ist untrennbar mit bestimmten politisch-ökonomischen Vorstellungen, einer „politischen Ökonomie des Antisemitismus“ (Robert Kurz), verbunden. Diese Vorstellungen lassen sich in drei Gedankenschritte zerlegen, die hier aus Platzgründen nicht systematisch entwickelt, sondern nur sehr verkürzt und stark vereinfacht dargestellt werden (vgl. dazu Trenkle, dieser Band sowie insbesondere Postone 1982). An erster Stelle wird das kapitalistische System in eine scheinbar konkrete und eine abstrakte Seite aufgespalten. Arbeit, Staat und Realkapital (Fabriken, Maschinen, Infrastruktur) gelten dabei als natürliche, ewige und konkrete Kategorien, die die abstrakten „Mächte“ von Geld bzw. Zins auf „unnatürliche“ Weise überformen und beherrschen. Diese Aufspaltung knüpft an die Struktur kapitalistischer Basiskategorien an, die eine widersprüchliche Einheit von Konkretem (z.B. konkreter Nutzen einer Ware) und Abstraktem (z.B. abstrakter Tauschwert/Wert einer Ware) darstellen. Tatsächlich ist sie aber falsch, weil erstens auch die scheinbar konkrete Seite abstrakten Charakter trägt (so abstrahiert z.B. der „konkrete Nutzen“ einer einzelnen Ware von den sozialen Rahmenbedingungen seiner Verwirklichung – ein Auto etwa, das im Stau steht, hat seinen „konkreten Nutzen“ eingebüßt), und zweitens der Zusammenhang der konkret erscheinenden und der abstrakten Seite ausgeblendet wird.

Auf diese Weise wird unter anderem die innere Beziehung zwischen Geld und Zins gekappt und der Zins erscheint als Wurzel aller im Geld angelegten Zwänge. So schreibt der NS-Partei-Ideologe Gottfried Feder über das „Leihkapital“, dass es „entgegen allen sonstigen irdischen Erfahrungen, ohne Mühe und Arbeit durch Zins, Dividende und Rente aus sich selbst gewissermaßen wächst“. Deshalb bliebe „den Werk schaffenden in Werkstatt, Fabrik und Kontor nur karger Lohn“ und „jeder Gewinn der Arbeit“ fließe „in die Taschen der anonymen Geldmacht als Zins und Dividende“. (Feder 1927; zit. n. Schatz, Woeldike 2001, S. 88 f.). Unter kapitalistischen Bedingungen, in denen soziale Beziehungen in der Form der Beziehung Ware-Geld (Kauf und Verkauf) erscheinen, erhält das Geld, das in vormodernen Gesellschaften eine untergeordnete Rolle spielte, tatsächlich eine besondere Bedeutung. Mit der Durchsetzung des Systems der Warenproduktion wird es nicht nur allgemeines soziales „Bindemittel“, das den Zugang zum gesellschaftlichen Reichtum regelt, sondern auch potenzielles Kapital, das die Ausbeutung von Arbeitskraft im Prozess der Waren produktion ermöglicht. Der Zins ist damit nicht mehr „Wucher“, der nur vom Vermögensbestand der Schuldner zehren kann, sondern vielmehr der Preis von Geld als potenziellem Kapital. Die Aufnahme von Kredit dient unter diesen Verhältnissen nicht mehr allein der Bereicherung der Gläubiger, sondern auch der Bereicherung der Schuldner, sofern sie Geld in kapitalistischem Sinne produktiv verwenden. Denn mittels Kredit kann die einzelbetriebliche Basis der Profitproduktion – über das Eigenkapital hinaus – erweitert werden. Letztlich erzwingt das auch die Konkurrenz. „Geld ohne Zins“ ist also nicht zu haben, ein wesentliches Element der politischen Ökonomie des Antisemitismus geht an der Realität von Kapital und Markt vorbei (vgl. dazu Exner, Grohmann 2005).

Ebenso abstrakt-modern wie die Verwertung von Rohstoffen und Produktionsmitteln in Form des Kapitals ist die Kategorie der Arbeit. Das zeigt schon ihr Begriff. Arbeit meint die von jeder konkreten Bestimmung – etwa „Tischlern“, „Texte schreiben“, „Autoteile montieren“ usw. – abgelöste und damit abstrakte Form einer „Verausgabung von Lebensenergie“; diese Tätigkeitsform wird erst mit dem ihr übergeordneten abstrakten Selbstzweck der Profitproduktion dominant. Vergleichbares gilt für den Staat. Der Nationalstaat als unpersönlicher „Souverän“ abstrakt-gleicher Rechtssubjekte ist ein Produkt der Moderne, die vermeintlich homogene und naturgewachsene „Nation“ eine historisch gewaltsam durchgesetzte Abstraktion.

Wenn daher die „politische Ökonomie des Antisemitismus“ in einem zweiten Schritt die scheinkonkrete Seite des kapitalistischen Systems als vermeintlich positives Prinzip feiert, wohingegen die offenkundig abstrakte Seite als die „natürliche Gemeinschaft“ „zersetzend“, „parasitär“ denunziert wird, dann ist das in jeder Hinsicht Ideologie. Dazu gehört zentral, das „internationale, parasitäre Geldkapital“ im Namen von Nation, Arbeit und „produktivem Kapital“ moralisch an zuklagen. Drittens wird die offenkundig abstrakte Seite des Kapitalismus personalisiert und im Antisemitismus auf das Handeln von „Juden“ und „Jüdinnen“ zurückgeführt. Der Antisemitismus ist damit die einzige Form von Rassismus, in der die zentralen Prinzipien und Eigenschaften der kapitalistischen Gesellschaft – Anhäufung abstrakten Reichtums, Konkurrenz, „Intransparenz“ der gesellschaftlichen Prozesse und die Verheerungen, die das alles anrichtet – einer (wohlgemerkt: rassistisch) bestimmten Menschengruppe angelastet und so in ein phantasiertes Außen projiziert werden (Heinrich 2004). Daher rühren sowohl die Resistenz des Antisemitismus als auch seine vernichtende Gewalt in kapitalistischen Krisensituationen.
Keinesfalls sind alle Vertreter und Vertreterinnen der politischen Ökonomie des Antisemitismus nun antisemitisch. Umgekehrt gilt aber, dass alle Antisemitinnen und Antisemiten eben diese politisch ökonomischen Auffassungen vertreten. In diesem Überschneidungsbereich kommt es zur Wechselwirkung zwischen linker Globalisierungskritik und rechtsextremer Ideologie.«
 .

Siehe zu diesem Thema auch

Die politische Ökonomie des Antisemitismus .

http://www.exit-online.org/link.php?tabelle=autoren&posnr=18 .

Die Nebelgranaten der FED-Kritiker .

https://www.sozialismus.info/2014/07/die-nebelgranaten-der-fed-kritikerinnen/

Struktureller Antisemitismus und verkürzte Kapitalismuskritik

http://www.trend.infopartisan.net/trd0101/t120101.html

Elmar Altvater: Eine andere Welt mit welchem Geld?

http://userpage.fu-berlin.de/~roehrigw/altvater/altvater.pdf

„Schaffendes“ und „raffendes“ Kapital – Die Tauschringe, die Lehre des Silvio Gesell und der Antisemitismus

http://www.trend.infopartisan.net/trd0504/t160504.html

Blinde Flecken der Kapitalismuskritik – Gegen antisemitische Tendenzen und rechtsextreme Vereinnahmung

http://www.attac.at/fileadmin/_migrated/content_uploads/reader_antisemitismuskongress_2004_01.pdf

Rechtsradikale Propaganda und wie man sie widerlegt – Finanzjudentum und Westmächte

http://www.hagalil.com/archiv/2006/03/finanzjuden.htm

Quellennachweise .

¹ http://de.wikipedia.org/wiki/Rasse

² http://de.wikipedia.org/wiki/Rassentheorie

³ http://www.politische-bildung-brandenburg.de/node/7408

³ http://www.judentum-projekt.de/religion/religioesegrundlagen/auserwaehlt/

Monika Schwarz-Friesel, Jehuda Reinharz: Die Sprache der Judenfeindschaft im 21. Jahrhundert. Berlin, New York: de Gruyter, 2013.

http://www.anarchismus.de/libertaere-tage/lt1993/lt93doku/ags/ag6.htm

http://www.attac.at/fileadmin/_migrated/content_uploads/reader_antisemitismuskongress_2004_01.pdf

Der Antisemitismus der Mahnwachen-Protagonisten

Simplifizierende Feindbildkonstruktionen können gegenüber komplexeren Erklärungsmodellen attraktiver erscheinen. Die Nachfrage nach einfach strukturierten Deutungsmustern wird von Propagandisten aller Couleur ideologisch für sich genutzt.

Geschichtsrevisionistische Behauptungen und antiamerikanische bis offen antisemitische Ressentiments sind ein durchgehendes argumentatives Motiv vieler Akteure der sog. Montagsmahnwachen. Lars Mährholz machte in einem Interview mit The Voice of Russia Berlin die US-Notenbank u.a. für die NS-Verbrechen verantwortlich, indem er behauptete, dass die FED an allen Kriegen der letzten 100 Jahre schuld sei. Neben der vermeintlichen Rolle der FED als maßgeblichen Kriegstreiber der letzten 100 Jahre fantasiert Mährholz von einem allmächtigen Imperium der jüdischen Bankiersfamilie Rothschild. Um seine Behauptungen zu belegen bezieht er sich u.a. auf den Blog des vorbestraften Holocaustleugners Honigmann. Die Rothschilds waren bereits in der nationalsozialistischen Propaganda die Verkörperung des »Weltjudentums«. Siehe dazu beispielsweise den NS-Propagandafilm »Die Rothschilds – Aktien auf Waterloo«. Auch Ken Jebsen propagiert, dass die FED die »Wurzel allen Übels« sei und sogar der Zweite Weltkrieg von den »Schergen der FED angeschoben und finanziert« wurde. Das verschwörungsideologische Hip-Hop-Duo Die Bandbreite stößt ins gleiche Horn und vermutet in ihrem Song Danke für das Monster vor allem US-amerikanische Konzerne und Industrielle als heimliche Strippenzieher im Dritten Reich. Bandleader Marcel Wojnarowicz spricht gar davon, dass Israel fast schon eine Ausrottung an den Palästinensern vollziehe und bekommt von der NPD Applaus, die über Die Bandbreite wohlwollend schrieb: »Mit den Musik­ti­teln (…) durch­bricht die Musik­gruppe das volks­feind­li­che, ame­ri­ka­ni­sierte, unso­ziale und israel­hö­rige Mei­nungs­mo­no­pol der bun­des­re­pu­bli­ka­ni­schen Medien«.

»Der Antisemitismus ist dem Nationalismus blutsverwandt und dessen bester Alliierter.« (Carl von Ossietzky)

Ken Jebsen versteht es allerdings Märchenholz mit einer in mehrfacher Hinsicht noch absurderen Behauptung zu toppen. In einem offenen Brief an Angela Merkel schrieb er: »Nationalzionisten haben Israel okkupiert wie Nazis 33 Deutschland okkupiert haben…«. Jebsen impliziert nicht nur, dass die deutsche Bevölkerung nichts mit der Machtergreifung zu tun gehabt hätte, denn die Nazis hätten schließlich Deutschland »okkupiert« (die Nazis haben Deutschland aber nicht okkupiert/besetzt, sondern wurden gewählt und hätten ohne einen entsprechenden Rückhalt in der Bevölkerung nicht an die Macht kommen und regieren können), sondern deutet mit seinem Vokabular auch eine unappetitliche Gleichsetzung von Zionismus (Jebsen: »Nationalzionismus«) und Nationalsozialismus an. Der logistisch von langer Hand geplante und industriell durchgeführte Völkermord an ca. 6 Millionen Jüdinnen und Juden ist aber ob der Dimension seiner Entstehung, Planung und Durchführung singulär. Der Historiker Yehuda Bauer etwa bezeichnete den Holocaust als einzigartige, vorher nie da gewesene Form eines Genozids »weil er zum Tod jedes Einzelnen mit drei oder vier jüdischen Großeltern führen sollte. Mit anderen Worten: Das Verbrechen dieser Menschen war, überhaupt geboren zu sein. […] Alle anderen Genozide, die es vor, während und nach dem NS-Regime gab, waren lokaler Natur, d. h., der Genozid ereignete sich innerhalb einer bestimmten geografischen Region. Im Falle des Holocaust hatte Deutschland jedoch jeden einzelnen Juden auf der ganzen Welt im Visier. Die NS-Ideologie war eine universale, globale und mörderische Ideologie. […] [Sie] wurzelte nicht in einem politischen, ökonomischen oder militärischen Pragmatismus. Sie gründete auf der puren Fantasie von einer jüdischen Verschwörung, die angeblich die ganze Welt beherrschte.« Warum versuchen also heute Menschen die Politik Israels mit den Taten der Nazis gleichzusetzen? »Um das einseitige Aggressorbild Israels aufrechterhalten zu können, werden Referenzialisierungen konstruiert, die auf Falschaussagen basieren. Die Verfälschung von Fakten erfolgt durch Umkehrung, Auslassung oder Relativierung von Sachverhaltsinformationen. Auf diese Weise erzeugen die sprachlinchen Strukturen ein Feindbild Israel, das zwar mit der Realität nicht kompatibel ist, dafür aber exakt das repräsentiert, was dem judeophoben Weltbild entspricht und das damit genau die ihm zugewiesene Funktion erfüllt. […] Um das Ausmaß israelischer Gewalt verbal höchstmöglich zu potenzieren, werden mit NS-Vergleichen irreale Kontrastierungen etabliert. Sie konstituierten absolute Täter-Opfer-Oppositionen. […] Juden erscheinen so (in der Täter-Opfer-Umkehr) als Tätervolk. Neben ihrer diskreditierenden Funktion dienen diese unangemessenen vergleiche stets auch der Schuldabrechnung.«²

Die Täter-Opfer-Umkehr-Strategie – bzw. eine Analogie welche die Militärschläge Israels mit dem Massenmord an den europäischen Juden gleichsetzt – dient zum einen einer Schuldabwehr- und Entlastungsdimension und zum anderen findet eine de-realisierende Relativierung des Holocaust statt. »Die Täter-Opfer-Umkehr ist ein zentraler Bestandteil des israelbezogenen Antisemitismus. Wie solch ein antisemitischer Diskurs in Gewalt umschlagen bzw. sie bedingen kann, zeigt der Blick auf die Israeldebatten der außerparlamentarischen Linken Ende der 60er Jahre […] Angesichts Zustimmungsraten von bis zu über 50% der deutschen Mehrheitsbevölkerung zu Aussagen, die die Politik Israels mit der des Nationalsozialismus auf eine Ebene stellt, wird deutlich, wie aktuell, wie wirkungsmächtig und breit verankert die Täter-Opfer-Umkehr bei Debatten über Israel derzeit ist. Israelbezogener Antisemitismus stellt eine akute Bedrohung der demokratischen Kultur, aber auch für die Unversehrtheit von Jüdinnen und Juden und alle dar, die als Repräsentanten oder Sympathisantinnen Israels wahrgenommen werden«.³ Siehe zu diesem Themenkomplex auch den GenFM-Artikel Israel-Kritik versus Anti-Israelismus.

»Der Antisemitismus ist stets ein Symptom reaktionärer Hochkonjunktur.« (Erich Mühsam)

Ken Jebsen schwafelt neben der vermeintlichen Allmacht der FED und seiner israelbezogenen Täter-Opfer-Umkehr von dem Einfluss einer jüdischen Lobby welche angeblich die Politik der USA maßgeblich bestimmen würde. So behauptet er, dass 2-3% der Amerikaner mit »jüdischen Roots« »nicht nur die öffentliche Meinung manipulieren, sondern Politik- und Lobbypositionen besetzen, Präsidenten machen, beraten und sich deren Reden an die Nation vorlegen lassen, die bei Missfallen geändert werden, bevor sie der US-amerikanischen Öffentlichkeit zur Kenntnis gelangen«. Andreas Popp meint gar, dass man Israel nicht öffentlich kritisieren könne, ohne Gefahr zu laufen ermordet zu werden und spricht sich für die Abschaffung des Begriffs »Antisemitismus« aus»Solche Sprachstrukturen unterstellen aufgrund ihrer semantischen Information, es gebe ein Meinungsdiktat und eine Tabuisierung« der Israelkritik. Dadurch wird de facto etwas nicht Existierendes sprachlich geradezu heraufbeschworen. Ähnlich verhält es sich mit der Metapher „Antisemitismuskeule“, die impliziert, Israel-Kritikern würde stets der Antisemitismusvorwurf gemacht, obgleich der Vorwurf immer nur dann erhoben wird, wenn tatsächlich eine antisemitische Äußerung produziert wurde. Fragen und Behauptungen dieser Art werden keineswegs aus naiver Dummheit oder Unkenntnis geäußert, vielmehr dienen sie den Medien als populistische Aufmerksamkeitsverstärker. Antisemiten inszenieren ihre Kritik an Israel dagegen kalkuliert als Tabubruch, um sich gegen den Vorwurf des Antisemitismus immun zu machen. Die Kritik dient so der Ablenkung von ihrer judenfeindlichen Einstellung und zugleich der Delegitimierung ihrer Kritiker«.²

»Der Antisemitismus ist der Sozialismus der dummen Kerls.« (Ferdinand Kronawetter)

Auch Jürgen Elsässer meint, dass das Übel Namen und Adresse hätte und verweist dabei u.a. auf die Rothschilds. Ralf Schurig schreibt auf seinem Blog neben einem »Holocaust an deutschen Kriegsgefangenen« auch von Israel als einem »Fremdkörper im Nahen Osten«. Schurig schwurbelt außerdem von einer »Kollektivschuld« die den Deutschen als »psychologische Kriegsführung« eingetrichtert würde, damit kein Deutscher auf die Idee kommen würde, auf »die Massenmorde und den geplanten Megagenozid der jüdischen Elite« hinzuweisen. Selbst Rüdiger Lenz macht die Familie Rothschild für das Verschwinden des Malaysia-Airlines-Flugs 370 verantwortlich. Diese Konstruktion eines bestimmten Feindbildes ist dabei so primitiv wie offensichtlich.

Dr. Norbert Finzsch (Professor für angloamerikanische Geschichte an der Universität zu Köln) über die Verschwörungstheorien um die FED:

Abschließend ein Zitat aus dem Roman Tonspuren von Elliot Perlman:

»„Der Feind“, erklärte Jake Zignelik, „ist der Rassismus. Aber weißt du, Rassismus ist keine Person. Das ist ein Virus, der die Menschen befällt. Der ganze Dörfer und Städte, ganze Länder befallen kann. Manchmal siehst du es den Menschen im Gesicht an, wenn sie krank davon sind. Er kann sogar gute Menschen lähmen. Er kann Regierungen lähmen. Wir müssen ihn bekämpfen, wo immer wir ihn finden. Das ist es, was gute Menschen tun“.«

Zitatquellen:

¹ http://www.cicero.de/weltbuehne/usa-bashing-die-amerikaner-sind-gefaehrlich-eigennuetzig-und-profitgierig/57118

² Monika Schwarz-Friesel, Jehuda Reinharz: Die Sprache der Judenfeindschaft im 21. Jahrhundert. Berlin, New York: de Gruyter, 2013.

³ http://www.amadeu-antonio-stiftung.de/w/files/pdfs/aas-israelfeindschaft.pdf

Israel-Kritik versus Anti-Israelismus

Auszug aus dem Buch „Die Sprache der Judenfeindschaft im 21. Jahrhundert“ von Monika Schwarz-Friesel und Jehuda Reinharz

»Israel, das wichtigste Symbol jüdischen Lebens und Überlebens, ist für Antisemiten eine ungeheure Provokation und steht daher seit seiner Gründung im Fokus (rechts- und links)extremistischer Diffamierungskampagnen und Hetzpropaganda. Seit einigen Jahren sind aber auch zunehmend im öffentlichen Kommunikationsraum – unabhängig von politischer oder ideologischer Ausrichtung – Brachialverbalismen gegenüber Israel zu verzeichnen, die die Grenzen von legitimer Kritik und problematisierender Reflexion überschreiten und judenfeindliches Gedankengut (teils bewusst und kalkuliert, teils aber auch gedankenlos und nicht-intentional) in die Mitte der Gesellschaft tragen und das Sagbarkeitsfeld für Antisemiten erweitern, ohne dass hinreichend Widerstand dagegen geleistet wird. Es kommt z.B. häufig (auch im massenmedialen Kommunikationsraum) zu unangemessenen Referenzalisierungen mittels NS-Vergleichen wie „Nazi-Methoden“ oder „Staatsterror wie im Dritten Reich“ und Phrasen wie „rassistischer Apartheidstaat“ oder „terroristisches Unrechtsregime“. Wie massiv solche Äußerungsformen die öffentliche Meinung und das kollektive Bewusstsein beeinflussen, zeigen diverse Umfragen, die belegen, wie verbreitet die negative Gesamteinschätzung des Staates Israel in der Bevölkerung mittlerweile ist. So wurde Israel von 65 Prozent der Befragten in Deutschland 2003 als „größte Gefahr für den Weltfrieden“ gesehen (EC 2003). Im Januar 2007 waren drei von zehn befragten Deutschen laut einer Erhebung der Bertelsmann Stiftung der Meinung, dass Israel „einen Vernichtungskrieg gegen die Palästinenser“ führe und dass das, „was der Staat Israel mit den Palästinensern macht“, nichts anderes sei als das, „was die Nazis im Dritten Reich mit den Juden gemacht haben“ (Bertelsmann 2009). Bei einer 2012 vom Stern in Auftrag gegebenen Forsa-Umfrage waren 70 Prozent der Befragten der Meinung, „Israel verfolge seine Interessen ohne Rücksicht auf andere Völker“. 59 Prozent beurteilen das Land als „aggressiv“ und 13 Prozent sprachen dem Staat sogar das Existenzrecht ab (Weber 2012). Diese Ergebnisse sind als das unmittelbare Resultat jahrelanger Diffamierungskampagnen gegen Israel sowie der zum Teil einseitigen, emotionalen Berichterstattung zum Nahostkonflikt in den Medien zu bewerten.
Eine damit verbundene Frage, die bereits seit Jahren nicht nur in der Antisemitismusforschung, sondern vor allem auch in der Gesellschaft aus gegebenen Anlässen heftig und kontrovers diskutiert , aber bislang wissenschaftlich noch nicht präzise genug und nachvollziehbar beantwortet wurde, betrifft die Abgrenzung von Israel-Kritik (als kommunikativ legitimer Meinungsäußerung) und Anti-Israelismus (als einer aktuellen Formvariante von Judenfeindschaft). Im 21. Jahrhundert ist die als Israel-Kritik deklarierte, tatsächlich aber antisemitisch fundierte Umwegkommunikation, [3] die auf Israel referiert, aber Juden allgemein meint, die dominante Verbalisierungsmanifestation für die Artikulation und Verbreitung von judenfeindlichem Gedankengut. Israel wird mittels der Sprache verteufelt und an den Pranger gestellt, und es hat sich so (unter Rekurs auf alte judeophobe Stereotype) über die letzten Jahre ein anti-israelisches Zerrbild etabliert. Gesellschaftlich problematisch an dieser Sachlage ist dabei vor allem, dass es nicht nur kein ausgeprägtes Problembewusstsein für die Gefahren eines solchen (Stereotype transportieren und verstärken Ressentiments) Sprachgebrauchs gibt, sondern dass auch reflexartig Verteidigungsmechanismen für ihn einsetzen, die eine gesamtgesellschaftliche Kritik und Zurückweisung verhindern. Die Versuche der Wissenschaft, die Brisanz bestimmter Kommunikationsformen und Sprachgebrauchsmuster bei diesem Thema aufzuzeigen, stoßen oft sofort auf eine automatische, emotionale Abwehrhaltung bei vielen Deutschen. Von Äußerungen wie „Das ist eine Gleichschaltungspolitik!“ bis „Wir sollen alle mundtot gemacht werden“ reicht die Palette der Abwehrkommunikation, die auch von Vertreten der sogenannten Eliten(institutionen) benutzt wird. Die prinzipielle Verweigerung vieler Menschen, sich auf eine seriöse, an Fakten orientierte Diskussion einzulassen oder wenigstens Zweifel an der unangemessenen Form bestimmter Sprachhandlungen zulassen, erschwert eine sachliche Auseinandersetzung. Die nach den Verbrechen der NS-Zeit entwickelten Maximen von „Nie wieder!“ und „Wehret den Anfängen!“ in Bezug auf Stereotypkodierung sowie das Bewusstsein für die Gefahren und möglichen Auswirkungen eines auf drastische Feindbildrhetorik reduzierten Sprachgebrauchs scheint dabei auch bei gebildeten Menschen, die entsprechende Äußerungen als „Meinungsfreiheit“ und „individuellen Einstellungsausdruck“ verharmlosen oder sogar verteidigen, komplett ausgeblendet zu sein.
In diesem Zusammenhang ergeben sich zwei Fragen, die seit einigen Jahren fast turnusmäßig immer wieder (auch in den Massenmedien, die hier zum Teil in Bezug auf kritische Reflexion und Aufklärungsfunktion versagen) [5] aufs Neue gestellt werden: erstens, ob Kritik an Israel bzw. israelischer Politik prinzipiell und per se als judenfeindlich oder zumindest brisant eingestuft werden muss, und zweitens, wann eine israel-kritische Äußerung in Wahrheit nur eine verschleierte Form von Antisemitismus ist. Die erste, im öffentlichen Diskussionsraum bereits unzählige Male gestellte Frage, die eigentlich völlig überflüssig ist, da sie längst schon beantwortet wurde und durch die Kommunikationspraxis widerlegt ist, lässt sich einfach, unzweideutig und ohne jede weitere Erläuterung beantworten: Selbstverständlich ist (auch eine unter Umständen sehr scharfe) Kritik an bestimmten Entscheidungen israelischer Regierungsvertreter oder extremer nationalistischer Gruppierungen im Land oder Aktionen der israelischen Militärs kein Antisemitismus, sondern legitimer Ausdruck von politischer Auseinandersetzung und problemorientierter Kommunikation. Entsprechend gibt es, wie bei jedem anderen Land der Erde auch, Vieles, was aus der Innen- [6] und Außenperspektive kritisch angesprochen wird. Dies geschieht kontinuierlich in allen deutschen (und westlichen) Massenmedien, insbesondere in Bezug auf den noch nicht gelösten Konflikt mit den Palästinensern, und bislang ist auch noch nie einem seriösen Kritiker israelischer Siedlungspolitik oder Militäraktionen vorgeworfen worden, es handele sich bei seinen Äußerungen um Antisemitismus. Dieser Vorwurf wird immer dann erhoben, wenn es sich um antiisraelische Äußerungen handelt, die antisemitischen Stereotype vermitteln und/oder Brachialverbalismen enthalten, die faktisch falschen Informationen vermitteln [7] und/oder das Potenzial haben, eine judenfeindliche Stimmung zu erzeugen. Doch hält sich hartnäckig, fast obsessiv, trotz der andersgearteten Realität und aller faktischen Widerlegungen, das Klischee, Kritik an Israel sei in Deutschland aufgrund der NS-Geschichte ein Tabu […]. Die Behauptung, es gebe ein Kritiktabu, bedient dabei selbst ein tradiertes judeophobes Klischee, das seit dem 19. Jahrhundert existiert und auf der Konzeptualisierung basiert, es gebe eine jüdisch bestimmte Presse, die in Deutschland den Ton angibt. Seine Artikulation stützt somit die verschwörungstheoretisch determinierte Position der Sprachproduzenten, die sich zugleich als Verfechter der Meinungsfreiheit generieren können. […] Dass (sogar im Gegenteil) kein Staat der Welt so unverhältnismäßig oft und heftig kritisiert wird wie Israel, [8] wird […] ignoriert oder geleugnet. Auffällig und signifikant ist in diesem Zusammenhang, dass dieses angebliche Meinungsdiktat stets nur von Personen unterstellt wird, deren Äußerungen nicht als israel-kritisch, sondern als verbal-antisemitisch einzustufen sind. Damit kommen wir zur zweiten Frage, die oben angesprochen wurde, der Abgrenzung und Unterscheidung der beiden Sprechhandlungstypen Israel-Kritik und Antisemitismus.[9] Allen bislang in der öffentlichen Diskussion vorgebrachten Bedenken und Negierungen zum Trotz ist hier eine klare Unterscheidung möglich: Beide Kommunikativen Phänomene können mittels kognitions- und sprachwissenschaftlicher Kriterien voneinander abgegrenzt werden. Die Negierungen in Bezug auf eine solche Abgrenzungsmöglichkeit zeigen nur das Bedürfnis von Antisemiten, sich die öffentlich artikulierbaren Formen der Judeophobie nicht nehmen lassen zu wollen. Je mehr Argumente und Fakten aus der Forschung kommen, die die antisemitische Dimension des Anti-Israelismus transparent machen, desto größer und erbitterter ist der Widerstand der selbsterklärten Israel-Kritiker. Selbst klar als verbal-antisemitisch erkennbaren Äußerungen werden als „anti-antisemitisch“ ausgegeben. Zugleich verteidigen auch viele Politiker und Journalisten oft Personen, die sich dem Vorwurf des Antisemitismus ausgesetzt sehen: Sie seien „nur kritisch“ oder hätten „nur ungeschickt formuliert“. Diese Fehldeutungen und Marginalisierungen entstehen teils aus dem Mangel an Kenntnis über die tradierten und aktuellen Ausdrucksvarianten des Verbal-Antisemitismus und teils aus der Unterschätzung des Potenzials der sprachlichen Dämonisierungsrhetorik. Nicht dass Kritik geübt wird, sondern wie diese argumentativ begründet und sprachlich formuliert wird, ist für diese Diskussion entscheidend. Wenn Israel als Projektionsfläche für antisemitische Ressentiments dient und tradierte antijüdische Stereotype und Argumente benutzt werden, um den Staat Israel generell zu diskreditieren, wenn seine jüdischen Bürger kollektiv dämonisiert werden und seine Existenzberechtigung als jüdischer Staat in Frage gestellt wird, wenn ein irreales Feindbild von Israel konstruiert wird, dann liegt keine Israel-Kritik, sondern verbaler Antisemitismus in der Formvariante des Anti-Israelismus vor.«

Fußnoten:

[2] Im April 2012 z.B. anlässlich des israelfeindlichen Gedichts von Günter Grass, dessen Publikation in mehreren Zeitungen der Mainstreampresse zu einer heftigen Debatte führte.

[3] Da der offene Antisemitismus seit 1945 verpönt ist und sanktioniert wird, hat sich diese Variante der impliziten Verbalisierungsform etabliert […]. Die Sprachproduzenten können sich stets auf die Schutzbehauptung zurückziehen, sie seien keineswegs antisemitisch eingestellt, sondern würden lediglich Kritik an Israel üben. Teilweise handelt es sich allerdings nicht um einen „kommunikativen Umweg“, sondern um eine Doppel-Referenz-Kommunikation, insofern, als zugleich Juden und der Staat Israel angegriffen werden […].

[5] Vgl. etwa Schlagzeilen wie „Darf man Israel kritisieren?“ oder „Wie viel Kritik an Israel ist Deutschen erlaubt?“ sowie diverse ähnliche Varianten, die in Printmedien, Rundfunk- Fernsehsendungen regelmäßig benutzt werden. Solche Sprachstrukturen unterstellen aufgrund ihrer semantischen Information, es gebe ein Meinungsdiktat und eine Tabuisierung. Dadurch wird de facto etwas nicht Existierendes sprachlich geradezu heraufbeschworen. Ähnlich verhält es sich mit der Metapher „Antisemitismuskeule“, die impliziert, Israel-Kritikern würde stets der Antisemitismusvorwurf gemacht, obgleich der Vorwurf immer nur dann erhoben wird, wenn tatsächlich eine antisemitische Äußerung produziert wurde. Fragen und Behauptungen dieser Art werden keineswegs aus naiver Dummheit oder Unkenntnis geäußert, vielmehr dienen sie den Medien als populistische Aufmerksamkeitsverstärker. Antisemiten inszenieren ihre Kritik an Israel dagegen kalkuliert als Tabubruch, um sich gegen den Vorwurf des Antisemitismus immun zu machen. Die Kritik dient so der Ablenkung von ihrer judenfeindlichen Einstellung und zugleich der Delegitimierung ihrer Kritiker.

[6] Einige der schärfsten Kritiker israelischer Siedlungs- und Militärpolitik sind Israelis.

[7] So stellte z.B. Günter Grass in seinem Text den atomaren Konflikt zwischen dem Iran und Israel völlig realitätsverzerrend dar, indem er Israel unterstellte, einen Angriff gegen das iranische Volk zu planen, während die realen Vernichtungsdrohungen des iranischen Präsidenten Ahmadinedschad, der als „Maulheld“ bezeichnet wurde, gegenüber Israel marginalisiert wurden. Das von Grass bereits im Titel „Was gesagt werden muss“ unterstellte Tabu der Israel-Kritik stellte ebenfalls eine drastischem stereotypbasierte De-Realisierung dar. Dennoch nahm beispielsweise der Präsident der Akademie der Künste Grass folgerndermaßen in Schutz: „Man muss ein klares Wort sagen dürfen, ohne als Israel-Feind denunziert zu werden“, Grass habe „das Recht auf Meinungsfreiheit auf seiner Seite“ und nur „seiner Sorge Ausdruck verliehen“ (Klaus Staeck am 05.04.12 in der in Halle erscheinenden Mitteldeutschen Zeitung). Der Schriftsteller Rolf Hochhuth trat dagegen aus Protest gegen die anlässlich der Grass-Debatte entfachten Diskussion aus der Akademie aus.

[8] […] Kontrastive Untersuchungen zur massenmedialen Krisen- und Konfliktberichterstattung zeigen, dass die Nahostberichterstattung in Deutschland einen wesentlich breiteren Raum einnimmt als z.B. die Berichterstattung zum Indien-Pakistan-Konflikt oder zu Nordkorea, obgleich bei diesen Konflikten de facto das Gefahrenpotenzial ein viel Höheres ist. Entsprechend ist es mit der Verteilung der Internet-Kommentare. Das Emotionspotenzial ist zudem bei israel-kritischen Texten wesentlich höher […]. Es kommt insgesamt zu mehr Schuldzuweisungen und monokausalen Erklärungen sowie pauschalen Opfer-Täter-Festlegungen.

[9] Antizionismus ist eine dritte Variante. Da aber oft Anti-Israelismus und Antizionismus untrennbar miteinander gekoppelt sind und sprachlich zumeist keine Differenzierung vorgenommen wird, subsumieren wir diese Variante unter Anti-Israelismus. […]

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Quelle: Monika Schwarz-Friesel, Jehuda Reinharz: Die Sprache der Judenfeindschaft im 21. Jahrhundert. Berlin, New York: de Gruyter, 2013.