Pedram Shahyar und die »Bourgeoisie von Auschwitz«

Wir haben uns bereits in unseren letzten beiden Artikeln (siehe hier und hier) mit Pedram Shahyar auseinandergesetzt. In diesem Artikel soll es darum gehen, wie konsequent Shahyar seinen »Humanistischen Grundkonsens« umsetzt. In der Facebook-Gruppe »Bourgeoisie von Auschwitz« wird einiges an strafbaren Inhalten gepostet, z.B. unter Verwendung verfassungsfeindlicher Symbole oder nach einem neueren Urteil ebenfalls strafbare codifiziert-antisemitische Volskverhetzung (Gruppendiskussion als Screenshot). Sowohl Shahyar als auch die bekennenden Linken und Mahnwachen-Aktivisten Stephan Bartunek und Melchior-Christoph von Brincken sind Mitglieder dieser Gruppe. Mit der Propaganda Bartuneks und Brinckens setzen wir uns hier auseinander.

Friedensdemo-Watch schreibt dazu:

»Die „Linken“ Pedram Shahyar (Team KenFM, Aktionsbüro ‪#‎Friedenswinter‬) und Stephan Bartunek (Breitband Bartunek, Wahnmache Wien) werden sich nicht heraus reden können, nichts von der Gruppe gewusst zu haben und einfach hinzugefügt worden zu sein. Ein Beitrag in der Gruppe ist von beiden geliket worden, wie übrigens auch von dem Endgamer und Antisemiten Fuad Afane. Dieses Posting enthält unter anderem die antisemitische Behauptung Israel sei „faschistisch“¹, was dort in anderen Posting durch einen „Gaza-Auschwitz-Vergleich“ bzw. einer Gleichsetzung der Slogans „Arbeit macht frei“ und „free Gaza from Hamas“ noch drastischer formuliert wird, den Shahyar zumindest gesehen hat ohne sich daran zu stören – so etwas bemängelt er nur öffentlichkeitswirksam, wenn es darum geht seine antisemitischen Freunde rein zu waschen und so zu tun als hätte seine Intervention bei den Wahnmachen einen anderen Sinn als sie für einen Teil der Linken als „bündnisfähig“ darzustellen. Bartunek will den antisemitischen Gehalt des „Israel-Nazi-Vergleiches“ im Gegensatz zu Shahyar sowieso nicht raffen und verfasste in der Gruppe ein Posting in dem er selsbt von „Zionazis“ schwurbelt. Weitere Mitglieder sind der wahnmachennahe Antimprapper Kaveh Ahangar, der Wahnmachen-Esoschrubler Rüdiger Lenz, der Endgamer Mahdi Feist, der Gründer/ Admin: Melchior-Christoph von Brincken und Claus Stephan Schlangen, letzteren vl. einigen u.a. deswegen bekannt, weil er es schaffte wegen antisemitsicher Äußerungen aus der Partei die Linke zu fliegen und weil es ein Tumblr-Blog gibt/gab, der sich allein der Sammlung seiner Aussagen widmet/e. Administratoren, und damit strafrechtlich möglicherweise für sämtliche Inhalte zur verantwortung zu ziehen, sind neben „von Brincken“ auch Claus Stephan Schlangen, Fuad Afane, Davicii Stefanovv und Stephan Bartunek. Bartunek und von Brincken kennen sich offenbar von der Wahnmache Wien, dort referierte er referierte über, was auch sonst, den Nahostkonflikt. Nach eigenen bekunden lebt Gruppengründer von Brincken in Wien ist aber auch in Berlin gemeldet. Er hat verschiedenene Internetauftritte wie seine Künstlerseite „kunst macht druck“, „soziale opposition“. „kein Blut für Öl“², wo sich unter einemer url die „bartunek“ beinhaltet eine Menge „Israelkritik“ versteckt. Bei „scharf-links“ trat er als Autor in Erscheinung, dort wurde aber auch ein Leserbrief veröffentlicht, in dem er sich über einen kritischen Artikel zu den Wahnmachen empörte. Ein von Brincken geschriebener Text wurde von Bartunek gesprochen und unter dem Account der Wahnmache Wien bei Youtube veröffentlicht – dabei handelt es sich um einen Aufruf zur Bildung einer Querfront. Bartunek wiederum ist z.B. durch das Teilen von antisemitischen „Weihnachtsgeschichten“ „bekannt“ geworden: „Am 22. Dezember 1913 erfolgte ein genialer Putsch wider die Demokratie in den USA, von dem nur wenige wissen, dass er stattgefunden hat und geglückt ist. Die meisten Abgeordneten hatten die Heimreise zu ihren Familien angetreten, um das Weihnachtsfest zu feiern, als vor den schütter besetzten Bänken des amerikanischen Kongresses ein Antrag eingebracht wurde, der das Geldschöpfungsrecht auf wenige Familien übertrug und die Macht für das kommende Jahrhundert zwischen diesen Privatbanken aufteilte. Mit dieser Machtvollkommenheit ausgestattet, hatten die Verschwörer also ihren Geld scheißenden Esel erfunden: Sie bedrucken die grünen Scheine mit Ziffern und vermieten diese seither gegen entsprechenden Zins an den amerikanischen Staat. Den Verschwörern war es seither ein leichtes, die Presse und damit die Meinungsbildung im Lande in die Gewalt zu bekommen und mittels Bestechung, Erpressung und Mord die Politik des Landes in Krieg und Frieden zu steuern. […] Die Gründerbanken waren: Rothschild Bank (London, Paris, Berlin) Warburg Bank (Hamburg und Amsterdam) Chase Manhattan Bank New York Goldman Sachs Bank New York Lehmann Bank New York Khun Loeb Bank New York Israel Moses Seif Bank Italien Lazard Brothers Bank Paris […] (Bitte keine antisemitischen Kommentare – danke)“ [Quelle]. Das es sich bei diesen angeblichen Weltherrschern fast ausschließlich um Juden handelt dürfte genauso klar sein, wie das die Liste frei erfunden ist. Die ganze Gruppe basiert auf der mittlerweile weitestgehend widerlegten Behauptung, die Nazis seien vor allem vom „Großkapital“ finanziert wurden, wie es trotz anderem Stand der heutigen Forschung auch heute noch gerne von gewissen Linken und (anderen) Verschwörungsideologen behauptet wird³ und auf der Behauptung, die gleichen Kräfte würden heute Faschisten in der Ukraine, in Israel und „selbstverständlich“ auch die Kritiker der Wahnmachen, z.B. Friedensdemo-Watch finanzieren.«

Quelle: https://www.facebook.com/friedensdemowatch/posts/878785282175729:0

Einige exemplarische Screenshots aus der Facebook-Gruppe:

Unbenannt gefallen Unbenannt2

Pedram Shahyar hat oft wiederholt, dass Antisemitismus nicht toleriert werden dürfe und struktureller Antisemitismus sowie eine verkürzte Kapitalismuskritik nicht akzeptabel wären. Allerdings zeigt sich auch hier mal wieder, dass seine Lippenbekenntnisse nicht viel wert sind. Auf Facebook hat es jemand in einem Kommentar auf den Punkt gebracht:

Heuchler2

Shahyar scheint jede Kritik an den Mahnwachen als »antideutsche Propaganda« abzutun, aber ruft gleichzeitig dazu auf, dass man sich mit Kritik auseinandersetzen müsse. Auch hier zeigt Shahyar, dass es ihm nicht um einen ernsthaften und kritischen Diskurs geht, sondern darum möglichst jede Kritik mit dem Totschlagargument »antideutsch« zu ersticken, während andere bekennende Linke wie Lea Frings, Marsili Cronberg oder auch Patrik Baboumian mittlerweile ihr Engagement bei den Mahnwachen aufgrund der antisemitischen und verschwörungsideologischen Umtriebe eingestellt haben (Frings und Cronberg) oder gar rückblickend als schweren Fehler betrachten (Baboumian).

Aber was ist nun an den Argumenten aus der Facebook-Gruppe »Bourgeoisie von Auschwitz« dran? An dieser Stelle sei erneut auf unsere Artikel Der Antisemitismus der Mahnwachen-Protagonisten und Antiamerikanismus als geschichtsrevisionistische Entlastungsstrategie verwiesen, in welchen wir uns bereits etwas ausführlicher mit den Argumenten – wie wir sie auch in besagter Facebook-Gruppe vorfinden (Hitler wurde vom Großkapital an die Macht gebracht, »National-Zionismus« etc. pp.) – auseinandergesetzt haben. Fuad Afane (Zitat: »Ashkanazim sind keine Semiten. Ausländer Raus aus Palästina!«) , Melchior-Christoph von Brincken und Stephan Bartunek (Zitat: »Antizionismus ist Antifaschismus«) werden ebenfalls nicht müde auf die vermeintliche Kooperation der Nationalsozialisten mit den Zionisten hinzuweisen (Stichwort Ha’avara-Abkommen). Mit diesem Argument haben wir uns bereits ausführlich in unserem Artikel Susan Bonath: Eine Junge Welt-Journalistin auf Abwegen auseinandergesetzt. Mit der Abgrenzung zwischen legitimer Israelkritik und Antisemitismus haben wir uns in unserem Artikel Israel-Kritik versus Anti-Israelismus befasst.

Fußnoten von Friedensdemo-Watch:

¹ „Beispiele von Antisemitismus im Zusammenhang mit dem Staat Israel und unter Berücksichtigung des Gesamtkontextes können folgende Verhaltensformen einschließen, ohne auf diese beschränkt zu sein: […] Vergleiche der aktuellen israelischen Politik mit der Politik der Nationalsozialisten.“ http://www.european-forum-on-antisemitism.org/working-definition-of-antisemitism/deutsch-german/

² „Besonders gerne verstehen sich Antiimperialisten als Friedensfreunde. Auffällig ist, dass sie für „den Frieden“ – oder jedenfalls für ihre Vorstellung davon – regelmäßig nur dann kämpfen, wenn es gegen die USA, Israel oder den Westen geht. Können sie denen beim besten Willen nichts anhängen, lassen sie Kriege und Militäraktionen auf der ganzen Welt verdächtig kalt. Wie ressentimentgeladen dieses Weltbild ist, lässt sich anhand der Losung „Kein Blut für Öl“ zeigen. Als die USA 2003 den Irakkrieg begannen, demonstrierten hunderttausende unter diesem Motto. Es erwies sich als fähig, staatstragende BürgerInnen zusammen mit linken Antiimps, Islamisten und Nazis in Scharen auf die Straßen zu treiben. Vom positiven Bezug auf „das Blut“ wollen wir hier einmal schweigen. Reden wir über die andere Flüssigkeit. Dass das Saddam-Hussein-Regime Öl an den Westen verkaufte und unter Umgehung von Embargobestimmungen liebend gerne noch viel mehr geliefert hätte, es folglich keinen Krieg brauchte, damit die USA an irakisches Öl kamen, blendeten alle miteinander aus. Auch, dass die Hälfte des weltweit geförderten Öls zur Aufrechterhaltung des Verkehrs dient, ein „Krieg für Öl“ folglich auch dafür geführt worden wäre, dass deutsche Friedensfreunde jederzeit volltanken können, musste natürlich abgewehrt werden. Ein Aufruf zum Tankstellenboykott, zehntausendfach auf Friedensdemos verteilt, blieb erwartungsgemäß ohne Resonanz. Er passte nicht ins Bild von „uns Guten“ und „den Bösen“. Auch stellt sich zehn Jahre nach dem Irakkrieg – gegen den man aus anderen Gründen durchaus etwas haben konnte – keineR der vermeintlichen FriedensfreundInnen die Frage, wo denn nun eigentlich die US-Tankerflotten geblieben sind, die „dem irakischen Volk“ sein Öl raubten. KeineR fragt, warum ausgerechnet chinesische Konzerne den großen Deal machten, als die neue irakische Regierung Lizenzen für die Erdölindustrie vergab. (Siehe z.B. China plant milliardenschweren Öl-Deal im Irak, Spiegel online, 30.12.2012) Obwohl Kapitalismus also anders funktioniert, als sich Antiimperialisten das vorstellen, kramte eine angebliche Friedensbewegung im Jahre 2011 erneut die Parole „Kein Krieg für Öl“ hervor. Dass jedoch auch das libysche Gaddafi-Regime einen Großteil seines Reichtums aus dem Ölverkauf an den Westen bezog, dieser folglich auch diesmal dafür keinen Krieg nötig hatte, durfte einfach nicht wahr sein.“ http://emafrie.de/was-ist-antiimperialismus/

³ „In der Mitte der 1920er Jahre war die Partei fast gänzlich auf Beiträge, Erlöse für Propagandamaterial oder Eintrittsgelder angewiesen. Nur einzelne mittelständische Unternehmer wie der Klavierbauer Edwin Bechstein oder der Verleger Hugo Bruckmann griffen Hitler beim Neuaufbau seiner Partei unter die Arme. Ende 1926 versuchten die Nationalsozialisten daher durch intensives Werben bei der Großindustrie neue Geldquellen zu erschließen. So versuchte Hitler über Emil Kirdorf Kontakt zur Großindustrie zu bekommen und verfasste die nur in Industriekreisen verbreitete Schrift Der Weg zum Wiederaufstieg, in der er versuchte seine Ideologie den Industriellen nahezubringen. Im Oktober 1927 kam es daraufhin zu einem Treffen mit führenden Unternehmern aus dem Ruhrgebiet, das allerdings finanziell für die NSDAP ergebnislos blieb. Ebenfalls sprach Hitler zwischen 1926 und 1927 vier mal in Essen vor jeweils mehreren hundert Industriellen.[…] Als Splitterpartei blieb sie jedoch für die Industrie bis zum überraschenden Wahlerfolg von 1930 weitgehend uninteressant. Erst danach begannen die Beziehungen zwischen Partei und Industrie enger zu werden. Die entscheidende Forschungsfrage war, welche Qualität diese Beziehungen annahmen. Welche Bedeutung diese Spenden aus der Industrie und von anderer Seite für die Gesamtfinanzierung der Partei vor 1933 hatten, ist auf Reichsebene wegen der schlechten Überlieferungslage nur schwer abschätzbar. Gemeinsam mit Horst Matzerath wies Turner aber anhand von vorhandenen Daten für die Gaue im Rheinland eine starke Selbstfinanzierungsquote über Mitgliederbeiträge nach. Deutlich geringer waren die Bedeutung von Spenden, die zumeist ebenfalls von Mitgliedern kamen, und die Einnahmen aus Veranstaltungen. So nahm die Partei im Gau Köln-Aachen zwischen Juni und August 1931 insgesamt 62.310 RM ein. Davon entfielen 47.015 (75 %) auf Beiträge, 8705 RM auf Spenden und 6400 RM auf Veranstaltungseinnahmen. Hinzu kamen 190 RM sonstige Einnahmen. Insgesamt war die NSDAP ähnlich wie die SPD und anders als die bürgerlichen Parteien eine sich selbst finanzierende Partei. Bei ihren Spendeneinnahmen spielte auch weniger die Großindustrie eine Rolle, die sich durch die anhaltende „sozialistische“ Rhetorik der Partei abgeschreckt fühlte – in den Länderparlamenten stimmte die NSDAP wiederholt gemeinsam mit den Linksparteien, z. B. 1927 gegen die Einführung der angeblich zu wenig arbeiterfreundlichen Arbeitslosenversicherung und die Erhöhung der indirekten Steuern. Wichtiger waren kleine oder mittelständische Industrielle wie Bechstein. Zwar gab es außer NSDAP-Mitglied Thyssen auch einige Großunternehmer, die größere Spendenbeträge überwiesen, doch konnte Turner nachweisen, dass sie gleichzeitig und zumeist in noch höherem Grade auch andere Parteien unterstützten. Zweck dieser Spenden war nicht, die NSDAP an die Macht zu bringen, sondern sich ihres Wohlwollens im Falle einer Machtergreifung zu versichern – so im Falle Friedrich Flicks, der wegen der Gelsenberg-Affäre angreifbar war – oder um sie von ihrem vermeintlich sozialistischen Kurs abzubringen. Einen bedeutenden finanziellen Beitrag zur Unterstützung des Nationalsozialismus leistete die deutsche Industrie vor der Machtübernahme nicht.“ https://de.wikipedia.org/wiki/Gro%C3%9Findustrie_und_Aufstieg_der_NSDAP

Quelle: https://www.facebook.com/friedensdemowatch/posts/878785282175729:0

Der Artikel wird hier fortgesetzt.

Advertisements

Von der Querfront und dem Wahn vor »Antideutschen«

In unserem letzten Artikel ging es um Pedram Shahyar und seine Argumentation, wonach Querfront lediglich ein Phänomen der 1930er Jahre des letzten Jahrhunderts sei. Wir haben an den Beispielen der Bewegung »Engagierte Demokraten gegen die Amerikanisierung Europas« (Endgame) und Jürgen Elsässer gezeigt, dass die Querfront-Strategie auch heute noch eine aktuelle Erscheinung ist. Auch das neurechte Jugendmagazin Blaue Narzisse nimmt explizit Stellung zum Thema Querfront.

Im Rahmen des Forschungsberichts Occupy Frieden wurden Teilnehmer*innen der Mahnwachen für den Frieden befragt und auf dieser Basis wurden unter anderem Rückschlüsse auf eine mögliche Querfront gezogen. Shahyar zitierte die Studie auf seinem Facebook-Profil. Allerdings ließ er dabei für ihn nicht genehme Textpassagen weg.

peddi1

Daraufhin antwortete Shahyar einer der Wissenschaftler die den Forschungsbericht herausgegeben haben:

peddi2

Unser letzter Artikel Pedram Shahyar und die Querfront wurde ebenfalls in diveren Facebook-Gruppen der Mahnwachen diskutiert. Einer der besonders krassen Kommentare aus der Facebook-Gruppe »Freundeskreis Montagsdemo Frankfurt« sei hier beispielhaft angeführt:

Sven2

Die Mahnwachen sind inzwischen weitestgehend eingeschlafen. Und aufgrund der mehr als zweifelhaften Umtriebe auf diesen Veranstaltungen ist das auch besser so. Eine progressive soziale Bewegung muss den »subjektillusorischen Charakter eines in Gang gesetzten wirtschaftlichen Effizienzsystems« erkennen »anstatt in kruden und rassistischen Vergeltungsphantasien einzelne Eliten mit vermeintlich angeschlossener Religionszugehörigkeit die historische Schuld für die Ungleichheiten dieser Welt in die allzu bekannten Schuhe zu schieben« und absurden Verschwörungsideologien anzuhängen, wie es die Website der linken Zeitschrift Potemkin in einem sehr lesenswerten Artikel zum Friedenswinter auf den Punkt bringt. Wenn wir Eines aus unserer deutschen Geschichte gelernt haben, dann ist es doch gerade die Tatsache, dass eine regressive Systemkritik unweigerlich in rechter Ideologie und somit in Barbarei mündet. Und diese Lektion mussten wir in Deutschland besonders schmerzhaft erlernen. Aus diesem Grund haben sich progressive Kräfte und die »alte Friedensbewegung« entweder von Anfang an oder mittlerweile aufgrund eigener Erfahrungswerte von den Mahnwachen distanziert. Auch Monty Schädel, der Politische Geschäftsführer der Deutschen Friedensgesellschaft – Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen (DFG-VK), hat sich letztendlich nach einer anfänglichen Kooperation deutlich vom aus den Mahnwachen für den Frieden hervorgegangenen Friedenswinter abgegrenzt. Gegenüber der taz sagte er:

»Der Grundkonsens der Friedensbewegung war immer, dass sie internationalistisch, antimilitaristisch und antifaschistisch ist. Das muss wieder Konsens werden. Es gibt im Bundesgebiet eine Reihe von Aktivisten in der Friedensbewegung, die mit Leuten auf die Straße gehen, die sich zumindest nach rechts offen verhalten. In Halle standen vor zwei Wochen Redner auf der Bühne, die nationalistische Terroristen hochloben und Reichsbürgerpropaganda betreiben. Es ist indiskutabel, so etwas zu tolerieren. Der Friedenswinter war ein Versuch, der gescheitert ist.«

Auch bei Blockupy reagiert man skeptisch auf Kooperationen mit den Mahnwachen:

Blockupy3

block2

Diverse Protagonisten der Mahnwachen für den Frieden engagieren sich ebenfalls bei Endgame. Darauf sind wir bereits in unserem letzten Artikel eingegangen. Beispielhaft sei hier das verschwörungsideologische Hip Hop-Duo Die Bandbreite genannt. Die Bandbreite betont immer wieder, dass sie sich als eine linke und antifaschistische Band versteht. Auf Facebook konnte man folgenden Kommentar dazu lesen:

Antifa1

Zu welcher Antifa bekennt sich also Die Bandbreite? Das kann man auf diversen Endgame-Demonstrationen beobachten, wie beispielsweise hier in Hannover:

NationalAntifa

Wojna (Die Bandbreite) am 14.03.2015 bei Endgame in Hannover.

Eine selbsternannte Antifa die Transparente mit nationalistischen Parolen wie »Schluss mit der Besatzung Deutschlands! Freiheit für das deutsche Volk!« hochhält, ist wohl eher ein schlechter Witz. Siehe dazu auch unser diesbezügliches Posting auf Facebook. Eine Antifa die generell gegen Nation, Staat und Kapital auftritt, zählt nach dieser Logik wohl per se zu den »Antideutschen«.

Hisilicon K3

Reichsbürger mit der Flagge Preußens und selbsternannte „Antifas“ mit nationalistischen Transparenten bei Endgame in Hannover.

Auch die Sängerin Maren Strassner, die unter dem Künstlernamen Morgaine auftritt und neben Die Bandbreite und Kilez More regelmäßig auf diversen Mahnwachen musiziert, hat einen geradezu paranoiden Verfolgungswahn vor »Antideutschen« (bzw. dem was sie für antideutsch hält) entwickelt. Beispielhaft sei hier auf einen Vorfall verwiesen, der sich im Rahmen ihres Crowdfunding-Projekts für ihr Musikalbum ereignet hat. Ein Mitglied der Alternative für Deutschland (AfD) hatte der Musikerin 800 Euro zukommen lassen. Allerdings wollte sie das Geld nicht anehmen, da sie befürchtete, dass selbst die AfD durch Antideutsche unterwandert sei.

11145052_1086973261319441_1104423056297571071_n

Auch als ein Auto eines der Organisatoren der Mahnwache in Leipzig in Flammen aufgring, behaupteten Pedram Shahyar, Lars Mährholz, Ken Jebsen und andere Mahnwachen-Aktivisten unmittelbar nach dem Vorfall, dass es sich um einen Brandanschlag durch Antideutsche handeln würde. Bei einer durch die Polizei eingeleiteten Untersuchung des Autos hat sich anschließend herausgestellt, dass es sich lediglich um einen technischen Defekt handelte, der den Brand des Wagens verursachte. Siehe dazu hier, hier, hier und hier.

Natürlich wird auch Pedram Shahyar nicht müde permanent vor den Machenschaften der »imperialen Antifa« [sic] der Antideutschen zu warnen, die scheinbar überall ihre Finger im Spiel haben und hinter jeder Ecke lauern. Das hat mitunter zu einigen satirischen Auseinandersetzungen mit Shahyars Wahn geführt. Hier ein paar Beispiele die auf Facebook und diversen Blogs kursieren:

9771_986998954650206_8224212882901988042_n

14429_991082717575163_1158299659481241223_n

PedramVater

Aber woher kommt nun eigentlich dieser Wahn vor den Antideutschen? Dazu ein Auszug aus dem Artikel Was heißt „antideutsch“?:

>>>

Anmerkungen zur praktischen Bedeutung eines Kampfbegriffs

Ein Gespenst geht um in deutschen Internetforen, Blogs und Social Networks: das Gespenst des „Antideutschismus“.

Immer wenn irgendjemand kritische Anmerkungen zu verschwörungstheoretischen oder antisemitischen Thesen äußert, taucht seitens der Kritisierten früher oder später die Anschuldigung auf, der Betreffende sei wohl ein „Antideutscher“.
Offenbar soll damit zum Ausdruck gebracht werden, daß, wer den Antisemitismus kritisiert, in den Augen dieser Leute kein guter Deutscher sein kann.

Das Feindbild des bösen „Antideutschen“ findet sich sowohl im rechtsextremistischen Umfeld, etwa bei der NPD (N13, D17), als auch bei verschwörungsgläubigen Politsekten wie der BüSo (B25, S. 4ff) und den selbsternannten „Infokriegern“ der sogenannten „Wahrheitsbewegung“ (A24) bis hin zu sich als links verstehenden „antizionistischen“ und „antiimperialistischen“ Gruppierungen wie der „Arbeiterfotografie“ (A34) oder auch linksnationalistischen Querfront-Projekten wie Jürgen Elsässers „Volksinitiative“ (J10, J11).

Die wesentlichen Vorwürfe gegen die (oft als „krank“ und „pervers“ beschimpften) vermeintlichen „Antideutschen“ sind mangelnde Treue zu Volk und Vaterland, also zu wenig Nationalismus:
angeblich handelt es sich um Menschen, die ihre Heimat nicht genug lieben, ja sie sogar hassen, was sich darin ausdrücke, daß sie nicht nationalen Interessen dienten, sondern Handlanger volksfremder Mächte (womit Israel und die USA gemeint sind) und der internationalen Hochfinanz seien.

  • Bellizismus:
    angeblich handelt es sich um Verräter am grundsätzlich friedliebenden deutschen Volkscharakter, die die von volksfremden Mächten (siehe oben) betriebene weltweite Kriegstreiberei und imperialistische Eroberungspolitik befürworteten,
  • Linksextremismus:                                                                                                                      angeblich handelt es sich um gewaltbereite anarchistische Horden, die bei Demonstrationen gerne randalieren, Autos anzünden und Ruhe und Ordnung stören. Während dies bei Rechtsextremisten dem gängigen Klischeebild von der „roten Pest“ entspricht, versuchen jene Anti-Antideutschen, die sich selber als „links“ definieren, hier zu differenzieren, indem sie ihr Feindbild als „linksfaschistisch“ titulieren,
  • Philosemitismus, Rassismus, Islamophobie:
    angeblich handelt es sich um verblendet fanatische Israel-Unterstützer (vor der Gründung des Judenstaates hätte man diesen Vorwurf noch anders formuliert, da sprach man gerne von „Judenknechten“), was für die Anti-Antideutschen, die Israel gemeinhin als rassistischen Apartheid-Staat qualifizieren, nur ein Ausdruck einer schlimmen rassisitschen Gesinnung sein kann, ebenso wie das in ihren Augen mangelnde Verständnis für das emanzipatorische Potential des islamischen Fundamentalismus, das sie ebenfalls als Zeichen von Rassismus deuten, als ob der Islamismus eine „Rasse“ sei.

Das Feindbild „Antideutsche“ richtet sich also gegen vermeintliche vaterlandslose Gesellen, Kriegstreiber im Dienst fremder Mächte, Chaoten und Unruhestifter sowie Handlanger jüdischer Vorherrschaft: lauter klassische antisemitische Klischees!

Hat dieses Feindbild überhaupt irgendeine reale Grundlage?

Tatsächlich gibt es eine zahlenmässig bedeutungslose, dem autonomen Spektrum zuzuordnende betont antinationalistische linksintellektuelle Strömung, die sich in den Jahren nach 1989 entwickelt hat und sich selbst als „antideutsch“ bezeichnet.
Pikanterweise gehörte der heutige Anti-Antideutsche Jürgen Elsässer vor seiner Bekehrung zum Linksnationalimus einst zu ihren Gründervätern und soll sogar der Erfinder des Begriffes „antideutsch“ gewesen sein, den er damals noch positiv verstand, als eine notwendige Absage an einen neuen Nationalismus. Mittlerweile hat er seine Ansichten bekanntlich gründlich geändert.

Die reale antideutsche Strömung versuchte sich angesichts der Wiedervereinigungseuphorie kritisch mit der Problematik des deutschen Nationalismus sowie der damals beobachtbaren Zunahme rassistischer Übergriffe auseinanderzusetzen. Im Rahmen ihrer Nationalismuskritik entwickelte sie auch eine Sensibilisierung gegenüber den eng mit dem Nationalismus zusammenhängenden Phänomenen Antisemitismus und Antiamerikanismus, die auch in Teilen des linken Spektrums verbreitet waren und sind, was zum Zerwürfnis der betroffenen traditionslinken Strömungen mit ihren „antideutschen“ Kritikern führte. Einige sich als „antideutsch“ verstehende Splittergruppen radikalisierten ihre Kritik am linken Nationalismus in Folge dieser Konflikte bis hin zu tatsächlich fragwürdig erscheinenden Positionen (vgl. H19 u. K27).
Der Kampfbegriff „antideutsch“ richtet sich aber bei weitem nicht nur gegen diese reale, praktisch jedoch bedeutungslose Minderheit. Meist wird der Vorwurf vielmehr gegenüber Personen und Gruppen laut, die keineswegs dieser Strömung angehören oder auch nur nahestehen. Oft ist den so Gescholtenen nicht einmal deren Existenz bekannt.

Denjenigen, die diesen Begriff als Schimpfwort im Munde führen, geht es ja auch keineswegs um reale innerlinke Debatten und Richtungsstreitigkeiten. Von diesen haben sie auch in aller Regel kaum eine Ahnung, denn ihnen geht es um etwas anderes: ein griffiges Schlagwort zur Diskreditierung von Gegnern und Kritikern. Es geht ihnen nicht um eine differenzierte Analyse der Realität, sondern um die Erzeugung eines Feindbildes.

Da passt es ganz gut, daß sich selbst „antideutsch“ nennende Splittergruppen schon gelegentlich bei Demonstrationen linke Traditionalisten durch das Mitführen von Israel- und US-Flaggen irritierten und provozierten.

Da passt es auch ganz gut, daß die „antideutsche“ Strömung im Zusammenhang mit dem autonomen Spektrum auch schon mal in einem Verfassungsschutzbericht erwähnt wurde und dabei sogar von Gewaltbereitschaft die Rede war. In diesem Fall wird der Verfassungsschutzbericht auch gerne mal von Leuten zitiert, die sonst nicht so gut auf den Verfassungsschutz zu sprechen sind, weil sie in dessen Berichten ein paar Seiten weiter selber ausführlich Erwähnung finden.

Gegen wen wird das Schlagwort „antideutsch“ als Schimpfwort instrumentalisiert?

Das Urteil „antideutsch“ kann jeden treffen, der es wagt, sich öffentlich in irgendeiner Weise gegen Nationalismus, Rassismus, Verschwörungstheorien und Antisemitismus zu positionieren.
Es kommt vornehmlich aus dem Munde von Leuten, deren weltanschauliches Zentrum jene Spielart des Antisemitismus bildet, die sich selbst gerne als „Antizionismus“ bezeichnet. Diese bildet nämlich das gemeinsame Bindeglied zwischen „Antiimperialisten“ und „Friedensfreunden“ aus der rechten wie aus der linken Ecke bis hin zu jenen Vertretern des verschwörungstheoretischen Narrensaums, die von sich behaupten weder links noch rechts zu sein, sondern diese in ihren Augen unzeitgemässe und die Einheit der Volksgemeinschaft unnötig spaltende Unterscheidung hinter sich gelassen zu haben.

Praktisch alle, die andere als „antideutsch“ beschimpfen, sehen sich selber als „antizionistisch“.
Hier wird also eine Polarität zwischen Antizionismus und Antigermanismus postuliert, d.h. ein absoluter Gegensatz zwischen Juden und Deutschen.
Wer nicht gegen Israel ist, der muß gegen Deutschland sein.
Der „Zionist“ genannte (böse) Jude (oder „Judenfreund“) steht gegen den (guten) Deutschen.
Der Antipode des guten Deutschen ist der böse Antideutsche: das Gegenteil eines Deutschen, ein Verräter und Feind des (deutschen) Volkes.
Dieses Weltbild unterscheidet sich nicht mehr von dem eines Houston Stewart Chamberlain oder eines Alfred Rosenberg!

Man kann daraus mit Fug und Recht die Schlußfolgerung ableiten: wann immer jemand gegen sogenannte „Antideutsche“ zu Felde zieht, dann haben wir es in der Regel mit einem völkischen Nationalisten und weltanschaulichen Antisemiten zu tun. Ob er sich selbst so definiert und das offen zugibt oder ob er es zu kaschieren versucht, weil er sich als „Linker“ mißverstehen will: die Sprache entlarvt sich selbst und die Wortwahl offenbart das dahinter stehende Weltbild.

<<<<

Quelle: http://www.antifaschismus2.de/argumente/gegenargumente/251-was-heisst-antideutsch

Pedram Shahyar und die Querfront

Tausende Demonstranten sind im Juni im »Marsch der Entschlossenen« vor den Bundestag gezogen und haben mehr als 100 Gräber ausgehoben – aus Protest gegen die aktuelle Flüchtlingspolitik. Organisiert wurde die Veranstaltung von den Aktionskünstlern des Zentrums für Politische Schönheit (ZPS). Im Vorfeld der Aktion hatte sich das ZPS bereits auf Facebook eine Teilnahme der »trittbrettfahrenden neurechten Querfront und KenFM« verbeten.

zentrum

Als Reaktion darauf hat der ehemalige Attac-Aktivist Pedram Shahyar, der lange Zeit in der trotzkistischen Linken aktiv war und sich mittlerweile bei KenFM und den Montagsmahnwachen engagiert, auf dem YouTube-Kanal von KenFM ein Antwortvideo an das ZPS einstellen lassen. Siehe hierzu auch den lesenswerten Text von Friedensdemo-Watch. Querfront sei für ihn lediglich ein Begriff der eine Bewegung einer betimmten historischen Periode bezeichnet und verweist dabei auf Gregor Strasser und Karl Radek. Strasser hat in der Tat einen Querfront-Ansatz innerhalb der NSDAP verfolgt. Aber sind Querfront-Bestrebungen wirklich nur ein Phänomen der 1930er Jahre oder wird dieser ideologische Ansatz auch heute noch von bestimmten Kreisen verfolgt? Die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes schreibt dazu mit Verweis auf die sog. neuen Montagsmahnwachen bei denen auch Shahyar stark engagiert ist:

»Querfront-Strategie zeichnet sich in der Praxis aus durch Konzentration auf ein Ziel, das angeblich „ideologiefrei“ durch breite Mobilisierung „nicht links, nicht rechts, sondern vorwärts“ (J. Elsässer) verfolgt wird. Dem entspricht z. B. der Verhaltenscode, dass keine Erkennungszeichen von Organisationen bei „Montagsmahnwachen“ gezeigt werden dürfen. Inhaltlich wird dies durch die platte Art von „Kapitalismus“- und „Imperialismus“-Kritik deutlich, die immer dort auftaucht, wo Rechte versuchen, linke Themen zu besetzen. Statt Analyse komplexer Zusammenhänge geht es da um simple antiamerikanische Ressentiments und undifferenzierte Pro-Russland-Haltung, die Ablehnung des „Zinssystems“, das angeblich den Kern des Kapitalismus ausmacht und – seit Beginn des jüngsten Gaza-Krieges – um einseitige Israel-Schelte. Dazu kommen eine allgemeine „Eliten“-Kritik mit Schwerpunkt auf Banken, Politiker und Medien, die – direkt oder indirekt – als Teile einer Verschwörung dargestellt werden«.

Die sog. »Neue Rechte« verfolgt in der Bundesrepublik seit Jahrzehnten eine Querfront-Taktik. Dabei sucht sie meistens die Distanz zur NPD und neonazistischen Kreisen. Sie versteht sich sowohl als Gegenentwurf zur Linken während sie sich gleichzeitig von der dem Nationalsozialismus verhafteten Rechten abgrenzt. Dabei handelt es sich um keine eigenständig strukturierte Bewegung, sondern vielmehr ein Bindeglied zwischen alten und neuen »rechten« Bewegungen unter Einschluss des Konservativismus für die sie Vermittlungsaufgaben mit dem Ziel der Neuformierung des gesamten rechten Lagers unter einem »nationalen Imperativ« übernimmt. Die Neue Rechte möchte über die eigenen Kreise hinauszuwirken. Sie bemüht sich um Kontakt und Kooperation mit Kräften außerhalb des Rechtsextremismus – insbesondere um eine Erosion der Abgrenzung zwischen demokratischem Konservativismus und extremistischer Rechter. Neu-Rechte Deutungsmuster übersetzen ideologische Grundpfeiler des Rechtsextremismus in politische Konzepte und instrumentalisieren sie damit für die Protestmobilisierung. Die Neue Rechte sollte dabei nicht nur als ein subkulturelles Randphänomen betrachtet werden, sondern ist – ob ihrer in Teilen anschlussfähigen Deutungskultur, die sich auch auf der Ebene ihrer Akteure beobachten lässt – auf dem Weg in der »Mitte der Gesellschaft« Fuß zu fassen. Aufgrund der mangelhaften organisatorischen Basis ist es der Neuen Rechten jedoch noch nicht möglich als Kollektivakteur im politischen Prozess aufzutreten. Vorhandene Strukturen – wie beispielsweise soziale Bewegungen ohne feste ideologische Verwurzelung – könnten jedoch günstige Gelegenheitsstrukturen sein, um plausible Deutungs- und Orientierungsrahmen zu konstruieren und öffentlich zu kommunizieren. Es geht kurz gesagt »um eine radikale Neudeutung bestehender Normen, um einen Diskurs, den sich das Land bislang aus historischen Gründen selbst verboten hat, oder kurz: um eine Revolution der deutschen Selbstverständlichkeiten«, wie es Felix Werdermann auf Der Freitag formuliert hat. Reaktionäres Gedankengut soll in der Mitte der Gesellschaft salonfähig werden. Siehe hierzu auch das empfehlenswerte Buch Linke Leute von Rechts? Die nationalrevolutionäre Bewegung in der Bundesrepublik von Benedikt Sepp.

Querfront-Stratege Jürgen Elsässer bringt sein Weltbild auf den Punkt.

Regelmäßig empört sich Shahyar, dass die Montagsmahnwachen eben wegen ihrer Anschlussfähigkeit nach Rechts kritisiert würden. Shahyar ist nicht der einzige bekennende Linke, der sich auf den umstrittenen Montagsmahnwachen engagiert. Auch die ehemalige RT Deutsch-Mitarbeiterin Lea Frings (Die Linke) und ihr Lebensgefährte Marsili Cronberg waren fast von Anfang an in das Projekt eingebunden. Im Mai haben jedoch beide offiziell ihr Engagement aufgegeben und ein resigniertes Resümmee gezogen:

»Inzwischen haben wir uns von den Mahnwachen zurückgezogen. Wie ist das Fazit? Zum einen müssen wir einräumen, daß eine inhaltliche Weiterentwicklung entgegen unserer Hoffnung nicht stattgefunden hat und sogar auf Widerstand gestoßen ist. Zum anderen müssen wir konstatieren, daß wir die Mechanismen von Verschwörungsglauben und tief sitzendem strukturellen Antisemitismus unterschätzt haben.«

Inzwischen sind die Montagsmahnwachen weitestgehend eingeschlafen. Aber mittlerweile gibt es ein neues Projekt mit dem Titel »Engagierte Demokraten gegen die Amerikanisierung Europas« (Endgame). Organisator Frank Geppert bezeichnete auf Facebook die Endgame-Aktivisten als »die vielleicht letzten Linken«. Shahyar gefiel offensichtlich Gepperts Aussage und hat sein Posting geliket. Des Weiteren versucht Endgame unter einem anderen Namen beim Kampagnennetzwerk Campact mitzumischen. Auch das scheint Shahyar zu gefallen. Geppert und Shahyar haben sich gemeinsam bei den Montagsmahnwachen engagiert. Daneben unterhält Geppert gute Kontakte nach ganz Rechtsaußen.

Auch andere Protagonisten der Montagsmahnwachen solidarisieren sich mit Endgame. Das verschwörungsideologische Hip Hop-Duo Die Bandbreite etwa tritt auf fast jeder Endgame-Veranstaltung auf. Dabei scheint man keine große Berühungsängste zu bekannten Rechtsextremisten zu haben. Auf diversen Fotos sieht man Wojna von Die Bandbreite zusammen mit Thomas „Steiner“ Wulff (NPD) – auch wenn sich Wojna im Nachhinein ahnungslos gibt und das Entstehen des Fotos mit einer absurden Verschwörungstheorie rechtfertigt, wonach es sich bei dem Fotografen um einen Agenten des Verfassungsschutzes handeln würde. Wulff ist allerdings längst nicht die einzige zweifelhafte Gestalt die sich im Umfeld von Endgame herumtreibt. Auf vergangenen Veranstaltungen durfte beispielsweise der ehemalige „Blood & Honour“-Kader Sven Liebich (ein Geschäftspartner von Ken Jebsen) sprechen oder der Reichsbürger, Rechtsextremist und verurteilte Holocaustleugner Christian Bärthel die Haftentlassung Horst Mahlers fordern. Auch der Deutsch-Palästinenser Fuad Afane ist ein gern gesehener Redner bei Endgame. Afane behauptet u.a., dass »die Zionisten« die Protokolle der Weisen von Zion befolgen würden und fällt regelmäßig mit Parolen wie »Aschkenasim sind keine Semiten. Ausländer raus aus Palästina!« auf. Inzwischen engagiert sich ebenfalls die Ex-Pegida-Frontfrau Kathrin Ortel bei Endgame und hat für ihren Wechsel von Pediga zu Endgame in der Talkshow von Maybritt Illner eine ziemlich wirre Begründung abgeliefert.

Mittlerweile frönt man bei Endgame einen teilweise noch unverblümteren Antisemitismus als auf den Montagsmahnwachen. Auf der offiziellen Facebookpräsenz fantasiert man beispielsweise von Wladimir Putin als einen »respektablen Führer« der die Welt vom Joch des »Imperiums der jüdischen Lobby« befreien wird.

Mehr dazu auf Friedensdemo-Watch.

Sollten sich Linke bei einer dermaßen völkischen und antisemitischen Mischpoke wie Endgame engagieren? Sicherlich nicht. Es widerspricht so ziemlich allen antifaschistischen Idalen. Allerdings sehen das einige auch anders. Anneliese Fikentscher und Andreas Neumann von der Neuen Rheinischen Zeitung (NRhZ) etwa schreiben auf NRhZ-Online:

»Diejenigen, die sich als „links“ tarnen und wie Jutta Ditfurth bezogen auf „Endgame“ in diffamierender Absicht einen desorientierenden Satz wie „Inhaltlich ist diese Veranstaltung als ein Querfront-Angebot zwischen den so genannten neurechten Mahnwachen und rassistischen Pegida anzusiedeln“ von sich geben, sind entlarvt als Handlanger des US-Imperialismus und des damit verbundenen Großkapitals. Sie sind es, die weit rechts stehen. Um es marxistisch zu formulieren: sie stehen auf der Seite des Klassenfeindes. Die „Engagierten Demokraten gegen die Amerikanisierung Europas“ dagegen sind diejenigen, die erkannt haben, von wo die großen Bedrohungen für die Menschheit ausgehen.«

Linke die keine Probleme damit haben mit Reichtsbürgern, Rechtsextremisten und Antisemiten »für die gemeinsame Sache« auf die Straße zu gehen? Wie kann man sich diesen scheinbaren Widerspruch erklären? Eine Erklärung bietet der lesenswerte Artikel Was ist Kryptofaschismus?:

»Besonders irritierend wirkt die Tatsache, daß sich sowohl unter den Anhängern als auch unter den Protagonisten dieser Bewegung nicht nur viele finden, die sich subjektiv dem linken Spektrum zugehörig fühlen, sondern auch gar nicht so wenige, die auf eine politische Biographie zurückblicken können, die sich tatsächlich in unbezweifelbar linken Zusammenhängen abspielte, bevor sie – zumeist nach dem 11. September 2001 – ihre Vorliebe für Verschwörungstheorien entdeckten.

Die in diesem Umfeld beobachtbare Konvergenz zwischen rechten und linken Verschwörungstheoretikern wird oft mit dem Schlagwort „Querfront“ kritisiert. Dieser Begriff greift allerdings zu kurz. Denn hier handelt es sich um mehr als nur die Bereitschaft zur Bildung einer Aktionsgemeinschaft zwischen Linken und Rechten. Es handelt sich auch nicht nur um eine punktuelle Öffnung nach rechts. Sondern es handelt sich um eine von Teilen der Linken vollzogene schleichende Umdeutung dessen, was überhaupt unter „links“ zu verstehen ist. In dem hilflosen Versuch, die 1989 ausgebrochene linke Orientierungskrise zu bewältigen, findet dort, unter äußerlicher Beibehaltung der gewohnten Denkmuster und Terminologien, eine Neuorientierung in Form von subtilen semantischen Verschiebungen statt, in deren Folge linke Kapitalismuskritik für völkisch-nationalistische Deutungen geöffnet und mit kryptofaschistischen Diskursen kompatibel gemacht wird, ohne daß dies von den Betroffenen als Bruch empfunden wird. Diese erschreckende Entwicklung ist zweifellos auch eine Folge des totalen Niedergangs linker Theorieproduktion und –rezeption.

Von der herrschaftslegitimierenden Ersatzreligion des staatssozialistischen Vulgärleninismus, der schon in seinen besten Zeiten nichts anderes war als eine zum Zwecke der Tauglichkeit als Waffe im ideologischen Krieg zurechtgestutzte primitive Schrumpfform des Marxismus, ist in den Köpfen mancher einst linientreuer Altlinker nichts übriggeblieben als ein paar hartnäckige Feindbilder, mit denen man sich durchaus auch in der NPD sehen lassen könnte, namentlich, wenn es gilt, gegen „U$rael“ vom Leder zu ziehen.

Hier muß ein ernstgemeinter Antifaschismus mehr leisten als eine bloß äußerliche Abgrenzung, nämlich eine inhaltliche Auseinandersetzung. Jene Traditionslinken, die sich immer noch an die irreführende Dimitroff-Definition von Faschismus halten, sind dazu leider oft nicht in der Lage. Wer den Faschismus als „Diktatur des Finanzkapitals“ mißversteht und daraus womöglich die absurde Schlußfolgerung ableitet, die faschistischen Mächte der Gegenwart seien die USA und Israel, dessen Ansichten unterscheiden sich praktisch nicht von denen der Neo-Nazis.

Faschismus ist, speziell in seiner antiimperialistischen Variante als „nationaler Sozialismus“ eine mit dem linken Sozialismus konkurrierende Form der Kapitalismuskritik, auch wenn er ihm sowohl in den Grundlagen als auch in den Zielen diametral entgegengesetzt ist. Wer allerdings Grundlagen und Ziele aus den Augen verliert und sich nur auf das gemeinsame Feindbild konzentriert, für den ist der Schritt von links nach rechts nicht groß und erscheint nicht notwendigerweise als Bruch, sondern lediglich als Akzentverschiebung im Kampf gegen einen gleichbleibenden Feind.

Für jene Teile der Linken, die die Werte der Aufklärung nicht als unhintergehbare Grundlage ihres Denkens und Handelns verinnerlicht haben, die zu den vermeintlich bloß „bürgerlichen“ Menschenrechten ein allenfalls instrumentelles Verhältnis haben und die das „Totalitarismuskonzept“ ablehnen, weil sie zu einer kritischen Auseinandersetzung mit dem eigenen Totalitarismus nicht bereit sind, ist das unmerkliche Abgleiten in den Kryptofaschismus eine nicht zu unterschätzende Gefahr.

Die Entwicklung eines Horst Mahler ist kein Einzelfall, sondern lediglich ein Extrembeispiel.

Und viele, die diesen Entwicklungsweg gehen, wähnen sich nach wie vor als Linke, während sie, oft tatsächlich ohne es selbst zu merken, zu pseudolinken Kryptofaschisten geworden sind.

Wer aber nicht mehr gesellschaftliche Strukturen und Verhältnisse in Frage stellt, sondern Kapitalismuskritik darauf reduziert Sündenböcke in Gestalt von bestimmten Personen, gesellschaftlichen Gruppen, Staaten und Institutionen zu benennen, dies womöglich noch anhand von allerlei Verschwörungstheorien zu „belegen“ und „im Namen des Volkes“ gegen diese vermeintlichen Bösewichter zu kämpfen, der hat den Boden dessen verlassen, was innerhalb einer linken Tradition noch konsensfähig sein kann.«

Dieser Artikel wird hier fortgesetzt.

Siehe dazu auch:

Von der Querfront und dem Wahn vor „Antideutschen“

https://genfmblog.wordpress.com/2015/07/21/von-der-querfront-und-dem-wahn-vor-antideutschen/

Der Antisemitismus der Mahnwachen-Protagonisten

https://genfmblog.wordpress.com/2014/10/23/der-antisemitismus-der-mahnwachen-protagonisten/

Antiamerikanismus als geschichtsrevisionistische Entlastungsargumentation

https://genfmblog.wordpress.com/2014/10/23/antiamerikanismus-als-geschichtsrevisionistische-entlastungsargumentation/

Jürgen Elsässer und das antiamerikanische Ressentiment

http://www.boell.de/de/2014/07/24/juergen-elsaesser-und-das-antiamerikanische-ressentiment

Rechtsdenker: Im dunkeldeutschen Wald

https://www.freitag.de/autoren/der-freitag/im-dunkeldeutschen-wald

Was ist Kryptofaschismus?

http://www.antifaschismus2.de/argumente/gegenargumente/256-was-ist-kryptofaschismus

Antisemitismus in der RAF: Radikal antijüdisch

http://www.taz.de/!5193915/

USA-Bashing: „Amerikaner sind gefährlich und profitgierig“

http://www.cicero.de/weltbuehne/usa-bashing-die-amerikaner-sind-gefaehrlich-eigennuetzig-und-profitgierig/57118

Die Nebelgranaten der FED-Kritiker

https://www.sozialismus.info/2014/07/die-nebelgranaten-der-fed-kritikerinnen/

Dimitroff revisited: Orthodox-marxistische Faschismustheorien, die einseitig ökonomische Konstanten an den Nationalsozialismus anlegen, sind verkürzt

http://www.sopos.org/aufsaetze/426a9fc3c704d/1.phtml

Die politische Ökonomie des Antisemitismus

http://www.exit-online.org/link.php?tabelle=autoren&posnr=18

Struktureller Antisemitismus und verkürzte Kapitalismuskritik

http://www.trend.infopartisan.net/trd0101/t120101.html

Elmar Altvater: Eine andere Welt mit welchem Geld?

http://userpage.fu-berlin.de/~roehrigw/altvater/altvater.pdf

“Schaffendes” und “raffendes” Kapital – Die Tauschringe, die Lehre des Silvio Gesell und der Antisemitismus

http://www.trend.infopartisan.net/trd0504/t160504.html

Blinde Flecken der Kapitalismuskritik – Gegen antisemitische Tendenzen und rechtsextreme Vereinnahmung

http://www.attac.at/fileadmin/_migrated/content_uploads/reader_antisemitismuskongress_2004_01.pdf

Die Montagsmahnwachen: Gemeinsam gegen Rotschild

http://www.heise.de/tp/artikel/41/41983/1.html

Die Montagsmahnwachen: Linke Leute von Rechts

http://www.neues-deutschland.de/artikel/930969.linke-leute-von-rechts.html

Die neuen Montagsmahnwachen: Eine Querfront für den Frieden?

http://www.hagalil.com/archiv/2014/07/02/montagsmahnwachen/

Die Neue Rechte im Internet

http://web.archive.org/web/20060813194541/http://www.im.nrw.de/sch/doks/vs/mythen_online.pdf

Der Begriff Querfront – Eine historische Betrachtung

https://www.antifainfoblatt.de/artikel/der-begriff-querfront-eine-historische-betrachtung

Querfront-Referat

http://www.copyriot.com/sinistra/reading/texte/quer02.html

Linke Leute von rechts? Die nationalrevolutionäre Bewegung in der Bundesrepublik

http://www.tectum-verlag.de/linke-leute-von-rechts.html

Getrennt marschieren, vereint Schlagen!? Nationalrevolutionäre Ideologie und Strategie

http://www.trend.infopartisan.net/trd0203/t130203.html

Die neue Querfront: Rechts und „links“ im Schulterschluss

http://www.hintergrund.de/20091016513/politik/inland/die-neue-querfront-rechts-und-links-im-schulterschluss.html

Die Querfront und Jürgen Elsässer

http://www.trend.infopartisan.net/trd0111/t280111.html

http://www.kosova-aktuell.de/index.php?option=com_content&view=article&id=2720%3Ajuergen-elsaesser-will-eine-buergerliche-querfront&catid=13&Itemid=111

http://jungle-world.com/artikel/2009/03/32459.html

http://www.trend.infopartisan.net/trd1207/t071207.html

http://www.scharf-links.de/46.0.html?&tx_ttnews%5Bswords%5D=els%E4sser&tx_ttnews%5Btt_news%5D=44727&tx_ttnews%5BbackPid%5D=65&cHash=8b98777060

Mehr Informationen über EndGAme

https://www.academia.edu/13098275/Antisemitische_und_antiamerikanische_Verschw%C3%B6rungstheorien._Eine_Diskursanalyse_im_Umfeld_der_Mahnwachen_f%C3%BCr_den_Frieden

http://www.halle-gegen-rechts.de/index.php/110-noch-mehr-gründe.html?hc_location=ufi

http://emafrie.de/pegadaendgame-jahrmarkt-der-einfachheiten/

http://verqueert.de/endgame-eine-analyse/

https://leftwinged.wordpress.com/2015/03/18/antiamerikanischer-antisemitismus-bei-endgame/

http://verqueert.de/endgame-herkunft-und-bisherige-aktionen-von-pegada-und-endgame13/

https://www.facebook.com/permalink.php?story_fbid=801304943239392&id=191079504261942

Die Reichsbürger und die Montagsmahnwachen – Mit Schwarz-Weiß-Rot für den »Frieden«

Immer wieder sieht man auf Veranstaltungen im Dunstkreis der »Mahnwachen für den Frieden« Menschen Verschwörungstheorien von der »BRD GmbH« verbreiten oder Reichsflaggen schwenken. Warum so viele der »Friedensdemonstranten« die schwarz-weiß-rote Flagge des Kaiserreichs hochhalten? So lässt sich doch Schwarz-Rot-Gold rein historisch gesehen für das Streben nach Freiheit, Bürgerrechten und deutscher Einheit assoziieren (Stichwort Hambacher Fest), während Schwarz-Weiß-Rot in der Weimarer Republik von den republikfeindlichen Kräften hochgehalten wurde. Die Demokratie überwinden für den Frieden? Könnte es sein, dass es den Ideologen die die Demokratie überwinden wollen und ein Deutsches Reich in den Grenzen von 1937 erstreben eigentlich um etwas ganz anderes als Frieden geht? Könnte es sein, dass der Ruf nach Frieden bei diesen Personen wieder einmal nur als Mittel zum Zweck für ganz andere Interessen dient?

Demonstranten auf der Veranstaltung »Marsch auf den Landtag« in Düsseldorf am 20.9.2014

Demonstranten auf der Veranstaltung »Marsch auf den Landtag« in Düsseldorf am 20.9.2014

»Die Umstände haben mich gezwungen, jahrzehntelang fast nur vom Frieden zu reden. Nur unter der fortgesetzten Betonung des deutschen Friedenswillens und der Friedensabsichten war es mir möglich, dem deutschen Volk Stück für Stück die Freiheit zu erringen und ihm die Rüstung zu geben, die immer wieder für den nächsten Schritt als Voraussetzung notwendig war. Es ist selbstverständlich, daß eine solche jahrzehntelang betriebene Friedenspropaganda auch ihre bedenklichen Seiten hat; denn es kann nur zu leicht dahin führen, daß sich in den Gehirnen vieler Menschen die Auffassung festsetzt, daß das heutige Regime an sich identisch sei mit dem Entschluß und dem Willen, einen Frieden unter allen Umständen zu bewahren.

Das würde aber nicht nur zu einer falschen Beurteilung der Zielsetzung dieses Systems führen, sondern es würde vor allem auch dahin führen, daß die deutsche Nation … mit einem Geist erfüllt wird, der auf die Dauer als Defaitismus gerade die Erfolge des heutigen Regimes wegnehmen würde und wegnehmen müßte.

Der Zwang war die Ursache, warum ich jahrelang nur vom Frieden redete. Es war nunmehr notwendig, das deutsche Volk psychologisch allmählich umzustellen und ihm langsam klarzumachen, daß es Dinge gibt, die, wenn sie nicht mit friedlichen Mitteln durchgesetzt werden, mit den Mitteln der Gewalt durchgesetzt werden müssen …

Diese Arbeit hat Monate erfordert; sie wurde planmäßig begonnen, fortgeführt, verstärkt.«

Adolf Hitler

Demonstranten beim »Sturm auf den Reichstag« am 3. Oktober 2013

Demonstranten beim »Sturm auf den Reichstag« am 3. Oktober 2014 (Foto: Publikative.org)

Die Reichsbürgerbewegung ist keine homogene Gruppierung und nicht alle reichsideologischen Verschwörungstheoretiker sind Neonazis – dennoch ist diese Szene naturgemäß sehr rechtsoffen. Wie bei allen Verschwörungsideologien werden simplifizierende Feindbildkonstruktionen komplexeren Erklärungsmodellen vorgezogen. Die Nachfrage nach einfach strukturierten Deutungsmustern wird auch von den reichsideologischen Propagandisten ideologisch für sich genutzt.

In der Regel lassen sich die pseudojuristischen Behauptungen der »Reichsbürger« schnell widerlegen, dennoch verbreiten reichsideologische Propagandisten unermüdlich immer wieder dieselben absurden Thesen. Warum? Auch hier ist einer der Gründe mal wieder der schnöde Mammon. Durch Bücherverkauf, kostenpflichtige Vorträge und Seminare oder Mitgliedschaften in Kommissarischen Reichsregierungen sowie in Scheinstaaten wie der Republik Freies Deutschland, Fürstentum Germania, Germanitien oder dem Königreich Deutschland können die Gurus der Bewegung (die sich oftmals in ihren Reichsregierungen und Scheinstaaten selbst zum Reichskanzler oder gar König ernennen) zugleich ihre Propaganda unter das Volk bringen als auch ihre Anhänger finanziell schröpfen. Das Zielpublikum der reichsideologischen Propandisten sind vor allem »Leute, die weder über eine politische Sozialisation und Vorgeschichte, noch über eine wenigstens elementare politische Bildung verfügen, und die in ihrer völligen Unbedarftheit, unter dem Eindruck der in Folge der Krise zunehmend angespannten sozialen Verhältnisse und des damit verbundenen Verlustes gewohnter Sicherheiten einen starken, aber hilflosen Drang nach Aufklärung und politischem Widerstand entwickelt haben, der in seiner Orientierungslosigkeit für alle möglichen, auch mehr als fragwürdige Einflüsse offen ist, vor allem natürlich für solche, welche aufgrund ihres simplifizierenden Populismus schnell einleuchtend erscheinen und dem meist kleinbürgerlichen Horizont dieses Publikums entsprechen.« (Quelle: http://www.antifaschismus2.de/)

Die Gefahren der Reichsbürgerbewegung

Die Amadeu Antonio Stiftung schreibt in ihrer Broschüre über die Reichsbürgerbewegung: »Die genaue Anzahl von Reichsideolog/innen in der Bundesrepublik kann niemand angeben. Ganz allgemein lässt sich jedoch feststellen, dass dieses Phänomen bundesweit auftritt. Auch bei staatlichen Stellen war in der Vergangenheit eine Erhebung schwierig. Das lag zum einen daran, dass reichsideologische Aktionen kaum eingeordnet werden konnten. Zum anderen führte das mangelnde Wissen der Mitarbeitenden zu der dürftigen Datenlage. Seit dem Jahr 2012 gibt es diesbezüglich erste Schulungen durch Verfassungsschutzämter. Auch in der Öffentlichkeit rücken Reichsideolog/innen verstärkt in den Fokus. Dies war einigen spektakulären Aktionen von Reichsideolog/innen geschuldet, denen eine breite Berichterstattung in den Medien etwa seit dem Jahr 2012 folgte. Mehrere dieser Aktionen finden auch in dieser Handreichung Erwähnung. Darüber hinaus haben einige Menschen bereits seit Jahren unangenehmen Kontakt zu ihnen – sei es als Angehörige jüdischer oder muslimischer Religionsgemeinschaften, Mitarbeitende von Finanzämtern oder Leitende in Schulen. Auch Abgeordnete von Landtagen und des Bundestagesstellen inzwischen Anfragen zu den „Reichsbürgern“. Reichsideolog/innen überfluten zunehmend staatliche Institutionen mit Schreiben, in denen sie seitenlang ihre Ideologie darlegen. Ziel des Ganzen: Vermeidung der Zahlung von Steuern oder Bußgeldern. Andere gehen noch weiter. Sie verschicken Morddrohungen und Todesurteile im Namen des „Reiches“. Dabei hängen nicht alle Reichsideolog/innen einer Gruppe, „Reichsregierung“ oder gleich einem König an. Manche fechten zum Teil seit Jahren als Einzelpersonen einen Kampf mit Verwaltungen und Behörden der Bundesrepublik Deutschland. Leider sind Reichsideolog/innen nicht nur Freund/innen absurder Gedankenspiele, die gerne Briefe schreiben. In den letzten Jahren gingen von ihnen immer wieder Morddrohungen und Übergriffe aus. Bei Razzien der Polizei wurden auch Schusswaffen gefunden. Dass diese ganz legal im Besitz dieser Menschen gewesen sein sollen, verschlimmert diesen Umstand nur noch. Sollten sich die reichsideologischen Überzeugungen zu einem geschlossenen Weltbild verengen, steigert sich deren Gefahrenpotential beträchtlich. Was sich genau in den Köpfen der Menschen abspielt, ist leider noch nicht wissenschaftlich untersucht worden. Eine noch zu leistende sozialpsychologische Analyse des Phänomens der Reichsideolog/innen wäre für ein tiefes Verständnis von großer Bedeutung.«

Man sollte diese Szene also nicht unterschätzen, denn sie ist sowohl ein Nährboden für Rechtsextremismus als auch Motivation für eine zunehmenden Radikalisierung. Militante Reichsbürger gründen Pseudo-Milizen, bedrohen jüdische und ausländische Mitbürger und bewaffnen sich für den Kampf gegen den vermeintlichen Scheinstaat »BRD GmbH«. Der Grünen-Politiker Andreas Vorrath sieht sich aufgrund seiner Aufklärungsarbeit schon länger von Reichsbürgern bedroht und zeigte sich gegenüber der Neuen Züricher Zeitung besorgt: »Es gibt Dörfer, in denen diese Leute patrouillieren. Ich fahre nur noch mit einem Knüppel im Auto.Das Gefährliche, sagt Vorrath, ist die scheinbare Harmlosigkeit der Reichsbürger. „Sie sind keine Neonazis mit Stiernacken, sondern nur schwer greifbar.“ Es gebe viele harmlose Spinner, aber auch Überzeugungstäter, die extra in Sportvereine einträten, um an Waffen zu kommen. „Diese Strömung gefährdet die Demokratie, und die Behörden haben das viel zu lange unter den Tisch gekehrt.“« Ulla Jelpke, die innenpolitische Sprecherin der Linksfraktion im Bundestag, warnt ebenfalls: »Es liegt immer noch viel zu wenig Aufmerksamkeit auf dieser Gruppe […] Manche berufen sich in ihrer Ideologie auf den Utöya-Attentäter Anders Breivik. Wenn so etwas Nachahmer findet, haben wir ein echtes Problem.«

Medienberichten zufolge haben rechtsextreme Kräfte aus dem Umfeld der »Hooligans gegen Salafisten«  zur Unterstützung der Reichsbürgerdemonstration, die am 9. Novemer 2014 unter dem Motto »Frieden jetzt!« vor dem Kanzleramt stattfindet, aufgerufen. Wenn gewaltbereite Hooligans und Reichsdeutsche ihre Kooperation zukünftig ausbauen werden, dann könnten sich die Gefahren die durch die Reichsbürgerbewegung ausgehen zukünftig erheblich erhöhen. Auch die rechtsextreme Partei »Die Rechte« mobilisiert für die Veranstaltung.

Mehr Informationen zum Thema Reichsbürgerbewegung

Allgemeines über die Reichsbürgerbewegung

http://de.wikipedia.org/wiki/Reichsb%C3%BCrgerbewegung

https://www.psiram.net/ge/index.php/Kommissarische_Reichsregierung

Die »Reichsbürger«: Überzeugungen, Gefahren und Handlungsstrategien .

http://www.amadeu-antonio-stiftung.de/w/files/pdfs/reichsbuerger_web.pdf .

Argumentationshilfen gegen Reichsbürger .

Vorwärts in die Vergangenheit! – Durchblick durch einige „reichsideologische“ Nebelwände .

Jürgen Elsässers Sympathien für gewaltbereite Rechtsextreme und fremdenfeindliche Hetze

Elsässer und die »Masseneinwanderung«

Jürgen Elsässer wurde auf dem Fernsehsender RT (ehemals Russia Today) bezüglich der Migrationspolitik in Deutschland interviewt. Elsässer behauptet, dass Privatleute dazu verpflichtet wären, ihre Wohnungen für Flüchtlinge bereitzustellen. Weiterhin meint er, dass die Flüchtlingsdörfer wachsende Slums seien und mit den Flüchtlingen ein großes Terrorismusproblem nach Deutschland käme.

Bedauerlich ist, dass RT rechtspopulistischen Demagogen wie Elsässer oder Udo Ulfkotte für deren hanebüchenen Nonsens widerspruchslos ein Forum bietet. In der Tat gibt es für Flüchtlinge in vielen Regionen Deutschlands nicht genug Unterkünfte. Der CDU-Politiker Martin Patzelt hat daher nigerianische Flüchtliche bei sich beherbergt und dafür appelliert, dass andere Privathaushalte ebenfalls Flüchtlinge aufnehmen könnten. Ein Appell für Solidarität mit notleidenden Menschen ist aber noch lange keine Verpflichtung. Um zu erfahren wie es Flüchlingen in ihren Unterkünften ergeht, sei hier auf die empehlenswerte ARD-Dokumentation Vier Wochen Asyl – Ein Selbstversuch mit Rückkehrrecht verwiesen. Desweiteren ist erst kürzlich bekannt geworden, dass Asylbewerber in einer nordrhein-westfälischen Notunterkunft schwer misshandelt wurden und das offenbar kein Einzelfall ist.

Elsässer warnt außerdem davor, dass die Zahl der Asylanträge drastisch zugenommen hätte. Die Amadeu Antonio Stiftung schreibt dazu: »2013 baten in Deutschland knapp 110.000 Menschen um Asyl, 2012 waren es 65.000 Asylsuchende. Es ist vor allem für die Betroffenen eine traurige Tatsache, dass derzeit besonders viele Menschen in Staaten wie Syrien, Afghanistan und anderen fliehen müssen, um ihr Leben zu retten. Für Deutschland als Aufnahmeland ist die zuletzt sprunghaft gestiegene Zahl der Asylsuchenden aber kein Ggrund zur Besorgnis. In der Vergangenheit gab es niedrigere, aber auch weit höhere Asylzahlen. 2007 war die Asylantragszahl in Deutschland auf dem historischen Tiefstand: 20.000 Menschen baten damals um Asyl. Anfang der 90er Jahre hatte die Zahl um ein Vielfaches höher gelegen – zwischen 190.000 und 438.000 Asylsuchenden. Die Zahl der schutzsuchenden Menschen ist abhängig davon, wo und wie sich Kriege und humanitäre Katastrophen entwickeln. Mit Schwankungen ist immer zu rechnen. Auch der EU-Vergleich relativiert die Zahl: Zwar hat die Bundesrepublik die meisten Asylanträge, gemessen an der Bevölkerungsgröße bewegt sie sich jedoch seit Jahren im Mittelfeld: Mit neun Asylanträgen pro 10.000 Einwohner lag Deutschland 2012 auf Platz zehn der EU-Staaten, auch 2013 – so ist nach der statistischen Auswertung zu erwarten – belegte Deutschland keinen Spitzenplatz«. Die größte Gruppe unter den Asylsuchenden in Deutschland sind übrigens derzeit Flüchtlinge aus der von Elsässer so glorifizierten Russischen Föderation (rund 14.900 Asylanträge im Jahr 2013). Sie kommen fast ausnahmslos aus dem Nordkaukasus, vor allem aus Tschetschenien. Wahrscheinlich ziehen viele von diesen Asylsuchenden es vor in der »nicht souveränen US-amerikanischen Militärkolonie Deutschland« (Zitat Elsässer) zu leben als den Menschenrechtsverletzungen in Russland ausgesetzt zu sein.

Die meisten Asylsuchenden fliehen vor Krieg, Verfolgung und existenziellen Bedrohungen. Niemand setzt ohne große Not sein Leben aufs Spiel und riskiert freiwillig ein Schicksal wie das der Opfer des Flüchtlingsdramas vor Lampedusa zu erleiden. Siehe zu diesem Thema auch die empfehlenswerte Broschüre zur Hetze gegen Flüchtlinge der Amadeu Antonio Stiftung.

Gewaltbereite Hooligans als »patriotische Antifa«

Elsässer behauptet ebenfalls, dass Asylbewerber Terrorismus importieren würden. Bisher kamen in Deutschland allerdings »nur« zwei Menschen bei einem terroristischen Anschlag mit islamistischem Hintergrund ums Leben. Wobei zwei Tote natürlich schon schlimm genug sind, aber dagegen stehen 184 Opfer rechtsextremer oder rassistischer Gewalt seit 1990. Das bedeutet natürlich nicht, dass man die Gefahren die von militanten Salafisten und anderen religiösen Fanatikern ausgehen unterschätzen sollte! Wenn man sich allerdings die Mordserie der rechtsextremen Terrogruppe NSU vor Augen führt, dann ist es ein Hohn, wenn ein Elsässer im Hinblick auf die Gewaltexzesse der rechtsextremen Gruppe »Hooligans gegen Salafismus« (HoGeSa) auf seinem Blog schreibt, dass es ein großer Schritt sei, »dass die Hools sich nicht mehr hauptsächlich gegenseitig verkloppen, sondern gemeinsam etwas für Ihr Land tun wollen«, während er gleichzeitig vor »importiertem« Terrorismus durch Asylbewerber warnt.

Elsässer meint, dass es sich bei den HoGeSa-Ausschreitungen in Köln vom 26. Oktober um einen vorbildlichen »Akt der Selbstverteidigung« handeln würde. Das Ergebnis dieses »Aktes der Selbstverteidigung« waren 44 verletzte Polizeibeamte. Die MedienvertreterInnen, die teilweise von den Teilnehmern aggressiv und brutal angegriffen wurden, sind für Elsässer nur die »Pressemeute«. Der nordrhein-westfälische Landesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei sprach von einer »neuen Qualität der Gewalt«. Auch der Politologe Richard Gebhardt sieht in der Politisierung der Hooligan-Szene ein Problem: »Es steckt eine große Dynamik drin. Die starke Politisierung einer Szene, die sich über Gewalt definiert, ist kein gutes Zeichen. Mein Eindruck ist, dass vor allem in Nordrhein-Westfalen die Hooligans gerade ihre Zurückhaltung aufgeben und sich mit Polemik, Aktionismus und Übergriffen auf andere wieder zurückmelden. Angesichts der Islam-Kritik, die die Bewegung Hogesa als Leitmotiv ausgerufen hat, würde ich sogar von einer Neu-Formierung sprechen. […] Alle 4000 Teilnehmer, die gestern in Köln waren, können eine Verbindung zur extremen Rechten nicht mehr abstreiten. Aber, und auch das ist wichtig: Nicht jeder Hooligan ist ein Neonazi. Wie fast überall gibt es Abstufungen, Zwischentöne. Weil sich Hooligans aber ständig im rechtsoffenen Milieu bewegen, sind sie für eine solche Mobilisierung anfällig«.¹

Elsässer behauptet: »Das ganze wäre also ein riesiger Erfolg geworden, wäre die Demo nicht nach ungefähr der Hälfte der Zeit in Gewalt umgekippt.« (Schreibfehler im original) Die Kentrail-Verschwörung resümiert dazu: »bedeutet also, dass er Hitlergrüße, Parolen wie „Ausländer raus!“, „Hier marschiert der nationale Widerstand“ und „Frei, sozial und national!“ sowie Auftritte von rechtsextremen Bands wie A3stus oder Kategorie C als vollen Erfolg feiert.
Liebend gerne würde er die HoGeSa-Hooligans auch als Redner für die am 9. November (Jahrestag des Hitlerputsches und der Reichspogromnacht) geplante „Demonstration für Frieden und Souveränität “ vorm Reichstag einladen.
Zu guter Letzt verlinkt er den Internetauftritt der rechtsextremen Partei Die Rechte (bekannt durch den Sturm auf das Dortmunder Rathaus und den Dortmunder Frontmann Siegfried „SS-Siggi“ Borchardt), die auch zu der Demonstration aufgerufen und daran teilgenommen hat.
Auf seiner Facebook-Seite wird Elsässer für seine Solidarität mit den Teilnehmern der Demonstration jedenfalls gelobt und mit Kommentaren wie „Es war der organisierte Volkszorn (..) Ich würde mich freuen, wenn die Polizei auf die Fresse bekommen hätte“ oder „Ein guter und wichtiger Tag für Deutschland“ gefeiert. Man hat also was gegen ukrainische Neonazis, die deutschen jedoch feiert man. Ist das jetzt ausländerfeindlich oder einfach nur grottendumm?«

Die mit Abstand größte Zusammenkunft von Faschisten in Deutschland bezeichnet Elsässer desweiteren allen ernstes als »eine antifaschistische Demo«. Auf seinem Blog postet er dazu noch ein Bild von Putin im Kreis des ultranationalistischen russischen Motorcycle- und Rockerclubs Nachtwölfe, dessen Mitglieder »von Putin unterstützt und im Gegenzug politische Gegner einschüchtern, auf der Krim mitmischten und dafür von Elsässer als Freiheitskämpfer gegen rechts stilisiert werden«.²

Hools22

HoGeSa mobilisiert inzwischen auch für die »Friedensmahnwache« am 9. November vor dem Kanzleramt. Die Demonstration findet unter dem Motto »Frieden Jetzt!« statt und zählt zu den Veranstaltungen aus dem Dunstkreis der »Friedensbewegung 2014«. Auf einer Facebook-Seite der Veranstaltung heißt es, dass man auf polizeidienstlichen Widerstand mit »Waffengewalt oder anderen Mitteln« reagieren könnte. Vielsagend ist auch mit welchen rassistischen Parolen für die Demonstration mobilisiert wird. Die laut Lars Mährholz von Mario Rönsch betriebene Facebook-Seite Anonymous.Kollektiv mobilisiert ebenfalls für diese Veranstaltung. Die Berliner Zeitung schreibt dazu: »Die Seite wirkt, als gehöre sie der Internet-Hackergruppe Anonymous. Tatsächlich wurde sie von einem ihrer Administratoren gekapert. Von dort wird seitdem völkische Propaganda verbreitet, etwa mit dem Video „Nachricht an die deutsche Bevölkerung“. Inhaltlich ist sie nicht weit entfernt von einer zweiten Kundgebung, die von sogenannten Reichsbürgern angemeldet ist. Reichsbürger – einige dieser Gruppen distanzieren sich vom Rechtsextremismus, andere dagegen nicht – eint der Glaube, dass die Bundesrepublik gar kein Staat sei, sondern eine GmbH, und dass das Deutsche Reich noch existiere«. Wenig überraschend schließt sich auch Anonymous.Kollektiv Elsässers Ansichten zur HoGeSa an.

JürgenNeu2

»Hilfe, die Roma kommen«

Jürgen Elsässer ist in der Vergangenheit bereits durch fremdenfeindliche Hetze aufgefallen. So schrieb er in seinem Artikel »Hilfe, die Roma kommen« von einer »Masseneinwanderung« und einer »zerstörerischen Armutsimmigration«. Dabei unterschlägt er freilich, dass die betreffenden Menschen aus Rumänien und Bulgarien aufgrund der eingeschränkten Arbeitnehmerfreizügigkeit gezwungen sind als Selbstständige unter prekärsten Bedingungen zu arbeiten. »Sie sind Opfer von Lohndumping, genießen keinerlei arbeitsrechtlichen Schutz und auch keine Absicherung durch Sozialversicherungen. Profiteur ist dabei einzig und allein die deutsche Wirtschaft, die im Sinne der Profitmaximierung massiv Gebrauch von dieser Möglichkeit zur Prekarisierung und Ausbeutung macht.«³ Da drängt sich natürlich die Frage auf: Wer schmarotzt hier eigentlich von wem?

ElseNeu3

Elsässer behauptet weiter: »Die zerstörerische Armutsimmigration in unsere Sozialsysteme können wir nur stoppen, wenn wir aus der EU AUSTRETEN. Denn die EU zwingt die Mitgliedsländer, die Grenzen offenzuhalten für Einwanderer aus der Rest-EU. Und ab 1. Januar 2014 wird alles nochmal schlimmer: Dann fallen die letzten Barrieren für Rumänen und Bulgaren und sie erhalten nicht nur Niederlassungsfreiheit, kostenlose Schul- und Medizinversorgung in Deutschland – sondern auch den vollen Zugang zu unseren Sozialsystemen. Darum: Rette sich wer kann –  raus aus der EU!« Das ist gleich in mehrfacher Hinsicht falsch. »Die Behauptung von der so genannten „Armutszuwanderung“ aus Rumänien und Bulgarien in das deutsche Sozialsystem ist inzwischen mehrfach widerlegt worden. Nach Zahlen der Bundesagentur für Arbeit waren zur Jahresmitte 2013 nur je 0,3 Prozent der Hartz-IV-Bezieher Bulgaren oder Rumänen. Ihre Arbeitslosenquote lag unter dem Schnitt der Gesamtbevölkerung«. Desweiteren hat die Bundesregierung dieses Jahr eine Asylrechtsreform beschlossen welche Serbien, die ehemalige jugoslawische Republik Mazedonien sowie Bosnien und Herzegowina als sichere Herkunftsstaaten klassifiziert. Gut ein Fünftel der bislang 115 000 Asylanträge in Deutschland stammt 2014 von Bürgern Serbiens, Mazedoniens und Bosnien-Herzegowinas. Fast alle sind Roma, ihre Anerkennungsrate tendiert gegen null. Mit der Gesetzesänderung über sichere Herkunftsländer können sie nun auch generell abgewiesen werden.

Zeigt den rechtsextremen, Reichsbürgern und Salafisten die rote Karte

Am 15. November will die HoGeSa in Hamburg aufmarschieren. Außerdem findet am 9. November die Reichsbürger-Demo »Frieden Jetzt!« statt, für die ebenfalls u.a. von der HoGeSa mobilisiert wird. Für beide Veranstaltungen sind Gegenkundgebungen angekündigt.

Weitere Informationen dazu findet ihr hier:

https://www.facebook.com/pages/No-HogeSa/565980706841131/

https://www.facebook.com/events/1512702768976106/

Mehr Informationen

Link: Die Kentrail-Verschwörung Text 1

Link: Die Kentrail-Verschwörung Text 2

Link: Die Kentrail-Verschwörung Text 3

Link: Nach eskalierter Demo in Köln: Hooligans rüsten für 9. November in Berlin

Link: Hooligans vs. Salafisten: Krawalle in Köln

Quellennachweise

Link: Elsässer Text 1

Link: Elsässer Text 2

Link: Elsässer Text 3

Link: Elsässer Text 4

Link: Anonymous-Kollektiv

¹ http://www.zeit.de/sport/2014-10/hooligans-koeln-polizei-salafisten

² https://www.facebook.com/kentrails/photos/pb.423917567753019.-2207520000.1414448356./534686926676082/

³ http://www.amaroforo.de/friedrich-es-reicht-schluss-mit-der-rassistischen-hetze-0

http://www.amadeu-antonio-stiftung.de/w/files/pdfs/broschuere_pro_contra_internet.pdf

Antiamerikanismus als geschichtsrevisionistische Entlastungsargumentation

Auf Cicero ist ein Interview mit Tobias Jaecker zum Thema Antiamerikanismus erschienen. Dort wird Jaecker die Frage gestellt, ob Antiamerikanismus auch als eine Art nationaler Entlastungsstrategie dient. Seine Antwort: »Es spielt ein sehr starker Impuls mit hinein, die NS-Vergangenheit hinter sich zu lassen, in dem das Wirken der USA mit NS-Methoden verglichen wird. Dass gesagt wird, das sind die neuen Nazis, wir sind die Guten, wir müssen uns von denen nichts mehr vorschreiben lassen«.

Lars Mährholz behauptete in einem Interview mit The Voice of Russia Berlin: »Woran liegen alle Kriege in der Geschichte in den letzten 100 Jahren? Und was ist die Ursache von allem? Und wenn man das halt alles ’n bisschen auseinander klabüsert und guckt genau hin, dann erkennt man im Endeffekt, dass die amerikanische Federal Reserve, die amerikanische Notenbank, das ist eine Privatbank, dass sie seit über hundert Jahren die Fäden auf diesem Planeten zieht«.

Mährholz vergleicht die USA nicht mit NS-Methoden, er geht sogar noch einen Schritt weiter und behauptet, dass die USA in Form der FED quasi für die NS-Verbrechen verantwortlich sei. Auch Ken Jebsen propagiert, dass die FED die »Wurzel allen Übels« sei und sogar der Zweite Weltkrieg von den »Schergen der FED angeschoben und finanziert« wurde. Das verschwörungsideologische Hip-Hop-Duo Die Bandbreite stößt ins gleiche Horn und vermutet in ihrem Song Danke für das Monster vor allem US-amerikanische Konzerne und Industrielle als heimliche Strippenzieher im Dritten Reich. Dazu passt dann auch die Aussage von Ken Jebsen in seinem offenen Brief an Angela Merkel: »Nationalzionisten haben Israel okkupiert wie Nazis 33 Deutschland okkupiert haben…«. Sicherlich werden mit derartigen Aussagen auch antisemitische Ressentiments bedient. Siehe dazu den GenFM-Artikel Der Antisemitismus der Mahnwachen-Protagonisten.

In diesem Video geht Dr. Norbert Finzsch, Professor für angloamerikanische Geschichte an der Universität zu Köln, näher auf die Verschwörungstheorien über die FED ein:

Unbestreitbar ist die Tatsache, dass US-Unternehmen lukrative Geschäftsbeziehungen mit den Nazis unterhalten haben. Bonzen wie Prescott Bush oder der Antisemit Henry Ford haben zweifelsohne durch ihre Geschäfte mit Hitler-Deutschland profitiert. Falsch ist hingegen die Annahme, dass es sich bei Hitler um ein kleines Rädchen, einen Befehlsempfänger oder gekauften Agenten US-amerikanischer Industrieller gehandelt hätte. Die Finanzierung allein – egal von wem – hat nicht ausgereicht, um Hitler zum Diktator zu machen. Es waren keineswegs amerikanische Industrielle, sondern vielmehr deutschnationale Politiker, die Hitler geholfen haben, sich zum Diktator aufzuschwingen. Aber wenn es nicht die pöhsen Amerikaner waren dann war Hitler doch gewiss ein Spielball der (für Verschwörungstheoretiker natürlich FED-gesteuerten) deutschen Großindustrie, könnte manch einer meinen. Hans-Ulrich Wehler gilt als einer der einflussreichsten deutschen Historiker und resümiert über die Mär von Hitler als der Marionette einer „Hochfinanz“: »Das Ammenmärchen, dass sie sich Hitler und seine Schergen gekauft hätten, ist zwar endgültig widerlegt. Doch kann man sie mitnichten von dem gravierenden Vorwurf freisprechen, alles nur Mögliche zur Zerstörung der Republik beigetragen zu haben«. Ähnlich eindeutig urteilt der Faschismusforscher Hans-Ulrich Thamer: »Auf keinen Fall kann die Dynamik der nationalsozialistischen Glaubens- und Protestbewegung mit materiellen Unterstützungen der Großindustrie erklärt werden. Die Finanzierung der gewaltigen Propagandakampagnen der NSDAP erfolgte in erster Linie durch die Mitglieder und ihre Beiträge sowie durch Eintrittsgelder, dann durch Hilfe von Sympathisanten vor allem mit kleineren und mittleren Betrieben. Es liegen keine Belege für eine kontinuierliche finanzielle Förderung der NSDAP durch die Großindustrie vor. Zudem war das Verhalten der Großindustrie gegenüber der NSDAP und Hitlers Regierungsbeteiligung 1932/33 sehr uneinheitlich; nur eine kleine Fraktion unterstützte Hitler. Wichtiger war die Rolle der Großwirtschaft und anderer traditioneller Machteliten bei der Zerstörung der parlamentarischen Demokratie zugunsten einer autoritären Staatsform, die sich am Ende vor dem Ansturm der NSDAP nicht behaupten konnte«. Auch der Wirtschaftshistoriker Adam Tooze kommt zu dem Schluss: »Nach dem Ersten Weltkrieg war die Unternehmerlobby stark genug gewesen, um die revolutionären Impulse der Jahre 1918 und 1919 eindämmen zu können. Nun, in der tiefsten Krise des Kapitalismus, fehlte dem deutschen Unternehmertum schlicht die Macht, sich gegen einen Staatsinterventionismus zu wehren, der diesmal nicht von links, sondern von rechts drohte«.

Gemeinsame Feindbilder können über die politischen Lager hinaus als Minimalkonsens verbindend wirken

Gemeinsame Feindbilder können über die politischen Lager hinaus als Minimalkonsens verbindend wirken

Aber was ist mit Ken Jebsens Behauptung, dass die Nazis Deutschland »okkupiert« hätten? Wo sollen denn die Nazis hergekommen sein, die Deutschland einfach so aus dem Nichts besetzt haben sollen? Etwa vom Mond? Oder aus der hohlen Erde? Oder aus Neuschwabenland? Nein, natürlich haben die Nazis Deutschland nicht okkupiert. Die Machtbasis der NSDAP fußte auf den antidemokratischen, extremistischen Bewegungen aus der Mitte der Gesellschaft und nicht etwa auf dem äußersten rechten Rand. Der Politologe Jürgen Falter stellt fest, dass die Wählerschaft der NSDAP etwa zu 60 % der Mittel- und zu 40 % der Arbeiterschicht zuzuordnen sei und resümiert, die NSDAP sei »von der sozialen Zusammensetzung ihrer Wähler her am ehesten eine Volkspartei des Protestes, oder, wie man es wegen des nach wie vor überdurchschnittlichen, aber eher nicht erdrückenden Mittelschichtsanteils unter ihren Wählern in Anspielung auf die daraus resultierende statistische Verteilungskurve formulieren könnte, eine „Volkspartei mit Mittelstandsbauch“«.

Die Neue Rechte und der »Extremismus der Mitte«

Zu derart geschichtsrevisionistischen Thesen von Leuten wie Jebsen, Märchenholz oder Die Bandbreite passen auch die quasi gebetsmühlenartig wiedergekäute Behauptungen, dass man weder rechts noch links sei. »Letztlich handelt es sich bei diesem Etikettenschwindel um eine taktische Notwendigkeit, um faschistisches Gedankengut trotz der Erinnerung an seine katastrophalen Folgen im 20. Jahrhundert wieder salonfähig machen zu können«. (Quelle: https://antifaschismus2.de/)

Die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes bringt es auf den Punkt: »Querfront-Strategie zeichnet sich in der Praxis aus durch Konzentration auf ein Ziel, das angeblich „ideologiefrei“ durch breite Mobilisierung „nicht links, nicht rechts, sondern vorwärts“ (J. Elsässer) verfolgt wird. Dem entspricht z. B. der Verhaltenscode, dass keine Erkennungszeichen von Organisationen bei „Montagsmahnwachen“ gezeigt werden dürfen. Inhaltlich wird dies durch die platte Art von „Kapitalismus“- und „Imperialismus“-Kritik deutlich, die immer dort auftaucht, wo Rechte versuchen, linke Themen zu besetzen. Statt Analyse komplexer Zusammenhänge geht es da um simple antiamerikanische Ressentiments und undifferenzierte Pro-Russland-Haltung, die Ablehnung des „Zinssystems“, das angeblich den Kern des Kapitalismus ausmacht und – seit Beginn des jüngsten Gaza-Krieges – um einseitige Israel-Schelte. Dazu kommen eine allgemeine „Eliten“-Kritik mit Schwerpunkt auf Banken, Politiker und Medien, die – direkt oder indirekt – als Teile einer Verschwörung dargestellt werden«.

Oben wurde bereits auf den »Extremismus der Mitte« – also den antidemokratischen extremistischen Bewegungen aus der Mitte der Gesellschaft – eingegangen. Diesen Extremismus der Mitte gibt es heute wie es ihn damals gab. Die eigentliche Bedrohung für die Demokratie kommt keineswegs von den „Rändern“ der Gesellschaft – eben nicht von den »Extremisten«. Die eigentliche Gefahr droht aus der Mitte selbst, in der rechtextreme Einstellungen, autoritäte Phantasien und mangelndes demokratisches Bewusstsein weit verbreitet sind und geduldet werden. Man kann das am Phänomen der sog. »Neuen Rechten« sehen. Die Neue Rechte sucht meistens die Distanz zur NPD und neonazistischen Kreisen. Sie versteht sich sowohl als Gegenentwurf zur Linken während sie sich gleichzeitig von der dem Nationalsozialismus verhafteten Rechten abgrenzt. Dabei handelt es sich um keine eigenständig strukturierte Bewegung, sondern vielmehr ein Bindeglied zwischen alten und neuen »rechten« Bewegungen unter Einschluss des Konservativismus für die sie Vermittlungsaufgaben mit dem Ziel der Neuformierung des gesamten rechten Lagers unter einem »nationalen Imperativ« übernimmt. Die Neue Rechte möchte über die eigenen Kreise hinauszuwirken. Sie bemüht sich um Kontakt und Kooperation mit Kräften außerhalb des Rechtsextremismus – insbesondere um eine Erosion der Abgrenzung zwischen demokratischem Konservativismus und extremistischer Rechter. Neu-Rechte Deutungsmuster übersetzen ideologische Grundpfeiler des Rechtsextremismus in politische Konzepte und instrumentalisieren sie damit für die Protestmobilisierung. Die Neue Rechte sollte dabei nicht nur als ein subkulturelles Randphänomen betrachtet werden, sondern ist – ob ihrer in Teilen anschlussfähigen Deutungskultur, die sich auch auf der Ebene ihrer Akteure beobachten lässt – auf dem Weg in der »Mitte der Gesellschaft« Fuß zu fassen. Aufgrund der mangelhaften organisatorischen Basis ist es der Neuen Rechten jedoch noch nicht möglich als Kollektivakteur im politischen Prozess aufzutreten. Vorhandene Strukturen – wie beispielsweise soziale Bewegungen ohne feste ideologische Verwurzelung – könnten jedoch günstige Gelegenheitsstrukturen sein, um plausible Deutungs- und Orientierungsrahmen zu konstruieren und öffentlich zu kommunizieren. Es geht kurz gesagt »um eine radikale Neudeutung bestehender Normen, um einen Diskurs, den sich das Land bislang aus historischen Gründen selbst verboten hat, oder kurz: um eine Revolution der deutschen Selbstverständlichkeiten«, wie es Felix Werdermann auf Der Freitag formuliert hat. Reaktionäres Gedankengut soll in der Mitte der Gesellschaft salonfähig werden.

Wenn diese Leute also immer wieder mantramäßig behaupten, dass sie weder rechts noch links wären, dann sollte man dabei nicht vergessen, dass diese Menschen auf klassische Motive rechtsextremer Argumentation zurückgreifen.

Siehe dazu auch:

Jürgen Elsässer und das antiamerikanische Ressentiment

http://www.boell.de/de/2014/07/24/juergen-elsaesser-und-das-antiamerikanische-ressentiment

Rechtsdenker: Im dunkeldeutschen Wald

https://www.freitag.de/autoren/der-freitag/im-dunkeldeutschen-wald

Was ist Kryptofaschismus?

http://www.antifaschismus2.de/argumente/gegenargumente/256-was-ist-kryptofaschismus

USA-Bashing: „Amerikaner sind gefährlich und profitgierig“

http://www.cicero.de/weltbuehne/usa-bashing-die-amerikaner-sind-gefaehrlich-eigennuetzig-und-profitgierig/57118

Die Nebelgranaten der FED-Kritiker

Die Nebelgranaten der Fed-KritikerInnen

Dimitroff revisited: Orthodox-marxistische Faschismustheorien, die einseitig ökonomische Konstanten an den Nationalsozialismus anlegen, sind verkürzt

http://www.sopos.org/aufsaetze/426a9fc3c704d/1.phtml

Die historische Entwicklung des Nationalsozialismus

http://www.bpb.de/nachschlagen/lexika/handwoerterbuch-politisches-system/40334/nationalsozialismus?p=all

Die Montagsmahnwachen: Gemeinsam gegen Rotschild

http://www.heise.de/tp/artikel/41/41983/1.html

Die Montagsmahnwachen: Linke Leute von Rechts

http://www.neues-deutschland.de/artikel/930969.linke-leute-von-rechts.html

Die neuen Montagsmahnwachen: Eine Querfront für den Frieden?

http://www.hagalil.com/archiv/2014/07/02/montagsmahnwachen/

Die Neue Rechte im Internet

http://web.archive.org/web/20060813194541/http://www.im.nrw.de/sch/doks/vs/mythen_online.pdf

Der Begriff Querfront – Eine historische Betrachtung

https://www.antifainfoblatt.de/artikel/der-begriff-querfront-eine-historische-betrachtung

Querfront-Referat

http://www.copyriot.com/sinistra/reading/texte/quer02.html

Linke Leute von rechts? Die nationalrevolutionäre Bewegung in der Bundesrepublik

http://www.tectum-verlag.de/linke-leute-von-rechts.html

Getrennt marschieren, vereint Schlagen!? Nationalrevolutionäre Ideologie und Strategie

http://www.trend.infopartisan.net/trd0203/t130203.html

Die neue Querfront: Rechts und „links“ im Schulterschluss

http://www.hintergrund.de/20091016513/politik/inland/die-neue-querfront-rechts-und-links-im-schulterschluss.html

Die Querfront und Jürgen Elsässer

http://www.trend.infopartisan.net/trd0111/t280111.html

http://www.kosova-aktuell.de/index.php?option=com_content&view=article&id=2720%3Ajuergen-elsaesser-will-eine-buergerliche-querfront&catid=13&Itemid=111

http://jungle-world.com/artikel/2009/03/32459.html

http://www.trend.infopartisan.net/trd1207/t071207.html

http://www.scharf-links.de/46.0.html?&tx_ttnews%5Bswords%5D=els%E4sser&tx_ttnews%5Btt_news%5D=44727&tx_ttnews%5BbackPid%5D=65&cHash=8b98777060

Die Gefahren von Verschwörungsideologien

Auch auf den sog. Montagsmahnwachen ersetzen oftmals primitive Verschwörungsideologien aller Couleur komplexere Erklärungsmodelle. Die Anzahl an Feindbildern von Illuminaten über Freimaurer und „Zionisten“ bis zu Reptilienmenschen ist kaum noch zu überblicken. Gemeinsam haben all diese Feindbilder, dass sie in den Augen der Verschwörungideologen das absolute Böse repräsentieren und sich für alles Schlechte der Welt verantwortlich zeichnen. Die Fiktion „des Bösen“ reduziert die komplexen Ursachen der Entstehung von Übeln auf die Wirkmacht einer einzigen diabolischen Kraft, konstruiert Zusammenhänge, wo keine vorhanden sind, und schafft so den Nährboden für Verschwörungstheorien jeglicher Art.

In verschwörungsideologischen Argumentationen steht der Täter in der Regel schon vor der Prüfung der Sachlage fest. Man verfährt hier quasi nach dem Sündenbockprinzip. Die Schuldigen bzw. die Täter stehen von vornherein fest und man spinnt Verschwörungstheorien als vermeintliche „Beweisführungen“. »Es wird ein strikt dualistisches, schwarz-weißes Weltbild mit klarer Rollenverteilung zwischen Gut und Böse gezeichnet: „die Mächtigen“ gegen „das Volk“, „die da oben“ gegen den „kleinen Mann“, das herrschende Unheil gegen das verlorene Heil. Die mit berückender Einfachheit scheinbar alles kohärent erklärende Kraft dieses mythischen Deutungsmusters bietet einen Ausweg aus der frustrierenden Mühseligkeit und Unzulänglichkeit rationaler Erklärungsversuche angesichts einer zunehmend unübersichtlichen und undurchschaubar erscheinenden Welt«.¹

Zentralsteuerungstheorien von einer sinistren Elite ersetzen komplexere Erklärungsmodelle

Zentralsteuerungstheorien von einer sinistren Elite ersetzen komplexere Erklärungsmodelle

Verschwörungsideologien konstruieren über ihr Freund/Feind-Schema und ein dualistisches Weltbild eine solidarisierte Gruppenidentität für die „ingroup“ der „guten“ Nichtverschwörer gegen die „outgroup“ der vermeintlichen „bösen“ Verschwörer. Aufgestaute Aggressionen werden mittels Verschwörungstheorien auf einen ideologischen Sündenbock, das einheitliche Feindbild, gesteuert. Ähnlich wie religiöse oder esoterische Weltanschauungen bieten Verschwörungsideologien durch ihre Integrations- und Abgrenzungsfunktion einen Orientierungsrahmen und stiften Überlegenheitsgefühle, die das Selbstwertgefühl gegenüber den „Feinden“ und Nicht-Gläubigen steigern.²

»Die Kategorisierung nach dem Gut-Böse-Schema war in der kulturellen Evolution der Menschheit gegenüber Alternativmodellen mit deutlichen Selektionsvorteilen verbunden. Kulturen, die „die anderen“, „die Fremden“, „die Abweichler“ mit dem Signum des Bösen versahen, konnten sich im globalen Wettstreit besser durchsetzen (das heißt: ihre Meme erfolgreicher kopieren) als jene, die mehr oder weniger unvoreingenommen auf Fremde zugingen. […] Der in der Geschichte wirksam gewordene Selektionsvorteil des Gut-versus-Böse-Memplexes ist darauf zurückzuführen, dass er mit zwei miteinander verzahnten Wirkungen verbunden ist: Erstens grenzt er den empathischen Eigennutz auf Ingroup-Mitglieder ein, was den Gruppenzusammenhalt stärkt. Zweitens setzt er das Empathievermögen gegenüber Outgroup-Personen«³ herab, sodass diese auch entmenschlicht werden können (siehe Beispielsweise Reptilienmenschen-Verschwörungstheorien).

Wohin es im Extremfall führen kann wenn man eine bestimmte Menschengruppe als das personifizierte Böse – in seiner Extremform bis zur Entmenschlichung – darstellt, das wissen wir aus der deutschen Geschichte nur allzu gut. »Die Eliminierung „des Juden“ erscheint aus der Perspektive des antijüdischen Memplexes, der die Vorstellungswelt Hitlers prägt, als die entscheidende Maßnahme zur Sicherung des Friedens und zur Herstellung sozialer Gerechtigkeit: Die Entfernung des „im Juden“ verkörperten „radikal Bösen“ gilt ihm als Schlüsselweg zum Sieg „des Guten“«

Und letztendlich sind Verschwörungsideologien auch immer Mittel zum Zweck um Eigenverantwortung abzugeben. Terry Pratchett schreibt in seinem Roman Fliegende Fetzen über die fingierte Verschwörung:

»Es war viel einfacher, sich Männer in irgendeinem verrauchten Zimmer vorzustellen, von Privilegien und Macht um den Verstand gebrachte Personen, die voller Zynismus steckten und beim Brandy Intrigen spannen. An einem solchen Vorstellungsbild klammerte er sich fest. Sonst musste er sich der unangenehmen Tatsache stellen, dass schlimme Dinge passierten, weil ganz gewöhnliche Leute – Menschen, die den Hund bürsteten und ihren Kindern Gutenachtgeschichten erzählten – fähig waren, auf die Straße zu gehen und Schreckliches mit anderen ganz gewöhnlichen Leuten anzustellen.Ja, es war viel einfacher, Verschwörern die Schuld zu geben. Wie deprimierend, in diesem Zusammenhang “Wir” zu denken. Wenn Sie dahinterstecken … dann trifft uns überhaupt keine Schuld. Aber wenn das Wir der Wahrheit entspricht … Was bedeutet das für das Ich? Immerhin gehöre ich zu den Wir. Es käme mir nie in den Sinn, mich für einen von Ihnen zu halten. Niemand glaubt, einer von Ihnen zu sein. Jeder von Uns ist ein Teil des Wir. Für die schlimmen Dinge sind Sie verantwortlich.«

10464114_901927953157307_971621530381851039_n

Im Folgenden ein paar interessante Vorträge zu diesem Thema.

Zitatquellen:

¹ http://antifaschismus2.de/rechte-strategien/kultur/161-wie-faschistisch-sind-die-infokrieger

² http://www.carsten-pietsch.de/verschwoerungstheorien.pdf

³ Michael Schmidt-Salomon: Jenseits von Gut und Böse. Warum wir ohne Moral die besseren Menschen sind. Pendo Verlag, München-Zürich (2009). ISBN 3866122128